Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
anxenos at yandex.com
 
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Das Menschliche und seine Verächter

22. 10. 2017 | Gesellschaft und Politik

Wenn ich empfinde,
Für das Gefühl, für das Gewühl
Nach Namen suche, keinen finde,
Dann durch die Welt mit allen Sinnen schweife,
Nach allen höchsten Worten greife,
Und diese Glut, von der ich brenne,
Unendlich ewig, ewig nenne…
                        – Goethes Faust

Betrachtet man die Konnotationen des Wortes “menschlich” im heutigen Sprachgebrauch, fallen einem zwei Verwendungsweisen auf: Nach der ersten wird jemand “menschlich” im Sinne von “human” genannt, nur mit eindeutig sentimentaler Gewichtung. Er wird von dem Gefühl des Mitleidens bis hin zu selbstlosem Einsatz bestimmt; er ist hilfreich und edel, oder jedenfalls erzeugt er gerne dieses Bild von sich. Als menschlich gilt demnach, wer vor lauter Rührseligkeit Tränen bei traurigen Filmszenen hervorbringt oder an seiner gefühlsmäßigen Anteilnahme an den Leiden der Welt selber leidet oder solches vorgibt. Zweitens wird menschlich als Synonym des Unzulänglichen verwendet, als Faktor für Verfehlen und Versagen.  |weiter|