Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Die benachteiligte Revolution - Der Feminismus im Marxismus

11. 05. 2020 | Allgemein

Zwei Grundparadoxa des Feminismus

Man kann auf einer Weltkarte leicht die Länder ausmachen, in welchen der Feminismus das politische Leben mitgestaltet. Ich denke, es ist überflüssig, den Kulturkreis näher zu identifizieren; es dürfte jedem klar sein, daß es sich dabei um die Kulturgebiete jenes allenthalben rituell bescholtenen “alten weißen Mannes” handelt. Der Feminismus konnte sich nahezu ausschließlich im westlichen “Patriarchat” effizient etablieren. Warum nur?

Weil der Mann es dort zuließ. Noch mehr als das: Er prägte ihn von seinen Anfängen an entscheidend mit und förderte ihn besonders seit Mitte des vergangenen Jahrhunderts nach Kräften. Der Blick auf die Weltkarte macht nämlich auch deutlich, daß, wo diese Förderung ausblieb, oder wo der Feminismus gar vom Mann als etwas Widriges angesehen wurde – wie etwa in den islamischen Kulturgebieten -, er sich kaum entfalten konnte oder gänzlich unterblieb.

Doch dieser augenfällige Befund stellt uns vor gleich zwei Paradoxa:

Das erste provoziert mit der Frage, ob die “Emanzipation der Frau” auch eine Errungenschaft der Frau ist, wenn sie doch nur unter Einwilligung des Mannes möglich ist, der Instanz also, von welcher sich das Emanzipationssubjekt Frau emanzipieren soll. Das zweite Paradoxon besteht in der Aporie, wie es sein kann, daß der durch den Mann geförderte und durch ihn etablierte Feminismus des Westens ausgerechnet jenen Förderer seiner Sache, den “alten weißen Mann” zum erklärten Haßobjekt erkor, und das zu einer Zeit, in der man daselbst -  durch die hohen Immigrationsraten aus feminismusabholden Kulturen - täglich Zeuge der in diesen noch herrschenden Frauendeklassierung und -unterdrückung wird.

Dem Autor ist bisher bezüglich dieser Widersprüche kein ernstzunehmender Erklärungsversuch aus feministischer oder anderer Seite bekannt. Und eine Untersuchung in eigener Initiative läßt die Frage aufkommen, ob sich der heutige Feminismus auch wirklich mit seiner primären Zielvorgabe, die Befreiung der Frau, identifiziert.

Die spontane Ja-Reaktion auf diese Frage ist gewiß richtig, soweit man ihn, den Feminismus, isoliert von seinem kulturgeschichtlichen Umfeld, dem Neo- oder Kulturmarxismus betrachtet. Und die eben genannte Strömung kann nur durch die Einbeziehung einer Institution genauer charakterisiert werden, die sich Institut für Sozialforschung benannte und heute geläufig als Frankfurter Schule bekannt ist. Bei diesem Institut fand sich eine Gruppe von Soziologen zusammen, um (lt. Wikipedia) die von Karl Marx formulierten Gedanken “daraufhin zu untersuchen, inwiefern sie zur Analyse von sozialen Verhältnissen geeignet seien, wie sie zu Marx’ Lebzeiten noch nicht bestanden hatten.”

Warum die Gedanken eines Menschen zur Analyse von sozialen Verhältnissen herangezogen werden sollten, die einst für ganz andere “Lebzeiten” und soziale Verhältnisse gedacht worden waren, ist - nebenbei gesagt - eine interessante Frage, die uns aber hier nicht vordergründig beschäftigen soll.

Was nun den Gegenwartsfeminismus betrifft, wird auch der mäßig Bewanderte wissen, daß dieser in seinem politischen Format und Umfang eine 68er Bescherung ist, also eine Hinterlassenschaft jener Bewegung aus dem gleichnamigen Jahr, die im Geiste der eben angeführten Frankfurter Schule gewirkt hatte.

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