Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Die benachteiligte Revolution - Der Feminismus im Marxismus

11. 05. 2020 | Allgemein

Und der Geist der Frankfurter Schule sah in der sogenannten Frauenbefreiung keineswegs ein eigenständiges Ziel, sondern den strategischen Vorspann eines umfassenderen Projekts. Die “Befreiung der Frau” sollte nur einen Erstangriff auf die Institutionen “der patriarchalischen Zivilisation… des Kapitalismus” von innen her starten. Die Befreiung der Frau wurde zwar als das vorrangige Ziel des Feminismus bekannt, aber ein bloß “immanentes”, also eine Maßnahme noch innerhalb des Kapitalismus zum Zwecke einer Destabilisierung desselben. Seine gänzliche Aufhebung jedoch, das primäre Ziel des Neomarxismus, würde der Feminismus nicht liefern können. Die endgültige “Umwälzung der ausbeuterischen und repressiven Werte der patriarchalischen Zivilisation, die Negation ihrer aggressiven Produktivität, … muß ihre Wurzeln in den Männern und Frauen haben, die die neuen Institutionen errichten.” Das heißt: Erst einmal sollten die kapitalistischen Institutionen destabilisiert werden, wobei der Feminismus ein brauchbares Instrument bot, und danach sollten die neuen Institutionen durch beide Geschlechter (damals zählten auch die Linken nur zwei) errichtet werden. In dieser letzteren Phase fände nun auch der Feminismus sein weiteres, “transzendierendes”, also nicht bloß “immanentes” Ziel (Zitiertes aus Herbert Marcuses ‘Marxismus und Feminismus’, Frankfurt, 1987).

Die Befreiung also der Frau, bzw. was die linken Feministinnen der ersten Stunde darunter verstanden, war zwar das primäre Ziel ihres Bestrebens, nur war ihr Bestreben keinesfalls die primäre Absicht der Linken. Und diese litten schon lange zuvor an einem Trauma, dessen Aufarbeitung die Frankfurter Schule im Sinn hatte: Ihnen war nämlich das Proletariat, der herbeiphantasierte Musterschüler und Fahnenträger der kommunistischen Grundschule, abhanden gekommen, es hatte sich als Chimäre und fixe Idee ihres Chef-Philosophen und Menschenverkenners Marx erwiesen. Denn spätestens im Ersten Weltkrieg war den Marxisten offensichtlich geworden, daß die revolutionären Pläne ihres Vielschreibers kein revolutionäres Subjekt hatten!

Die “Proletarier aller Länder” nämlich waren im großen Krieg verduftet, bzw. Seit’ an Seit’ mit allen anderen sozialen Schichten jeweils ihres Landes für dieses angetreten. Die nationale Identität erwies sich somit als verbindlicher als die bis dahin so vielversprechende Klassenidentität. Das Marx-Projekt erlitt Zusammenbruch!

Revolutionäres Subjekt gesucht

Seither plagen sich die Linken viel mit Identitäten herum. Sie erfinden welche, andere wiederum verdünnen sie oder erklären sie zum “Mythos”, pflanzen gerne manche um oder dekonstruieren sie kurzerhand, besonders die von Mann und Frau, und im Angedenken ihrer ersten Schlappe hassen sie am liebsten nationale und kulturelle Identitäten - außer solche, die besonders toxisch auf die allerverhaßteste aller Identitäten und Kulturen wirken: auf die Identität und Kultur des “alten weißen Mannes”.  Man könnte meinen, der Spätmarxismus verbringt heute seine schönste Zeit in einer hübschen Baumschule für Identitäten und widmet sich dort mit Hingabe ihren Wachstumsstörungen.

Denn er braucht dringend revolutionäre Subjekte. Doch die mühselige Zucht will nicht so recht gedeihen: Mehrere Dutzend Geschlechter schon hochgezogen, und was läuft da auf den Straßen herum? Was füllt die Züge, die Säle, die Parks, die Arenen, die Fernsehstudios und selbst den Bundestag? Lediglich “Damen und Herren”, Männer und Frauen – verflixt aber auch!

Die Frauen

Nun, Frauen als revolutionäres Subjekt waren für die “Immanenz” wahrlich nicht übel, wenn auch nicht der Bringer. Bereits der Altvordere Engels hatte der Frau eine gewisse Tragfähigkeit diesbezüglich bescheinigt, als er sie zur Repräsentantin des Proletariats in der Familienstruktur stilisierte - der Mann bedeutete den Bourgeois. Und in der Tat ließ sich manches mit dem “zweiten Geschlecht” anstellen:

1. Die Familie, Keimzelle der westlichen Gesellschaften, geht heute, vierzig Jahre nach den ersten Novellierungen des Familienrechts und ein wenig auch mit Hilfe der Antibaby-Pille und der Abtreibungspraxis auf Krücken. Das demographische Defizit mit seinen umfassenden Resultaten ist Folge davon.

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