Michail A. Xenos
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Die benachteiligte Revolution - Der Feminismus im Marxismus

11. 05. 2020 | Allgemein

Die allmählich problematisch werdende Symbiose ist auf diesen Seiten schon einmal psychologisch angenähert worden, und auch die Gründe der “Diskrepanz dieser beiden Welten” wurden beleuchtet1: Die Ankömmlinge fanden sich plötzlich in einer Gesellschaft wieder, die ihre Individuen als freiheitsfähige und autonome Monaden behandelt, “sie bejaht und ermächtigt!”, während  ihre Herkunftsgesellschaften das Individuum und somit diese Menschen selbst vollumfänglich reglementierten. Das wiederum greift das Selbstwertgefühl der eingewanderten Menschen “auf verstörende Weise” an. Die Flucht in einen verstiegenen Ehrenbegriff, der nicht nur notorisch referiert wird, sondern gar oft als Motiv dramatischer Handlungen diente, kann somit auch als Kompensation dieser Kränkung angesehen werden.

Und wo das Bildungs- und Intelligenzniveau nicht ausreicht, um befriedende Selbstreflexion in der fremden Gesellschaft zu ermöglichen, wird der Rückzug in das Alte angetreten, und so re-fundamentalisierten sich mit der Zeit viele dieser Einwanderer ausgerechnet späterer, im Gastland geborener und aufgewachsener Generationen im Sinne ihrer demokratiefernen, antifreiheitlichen und menschenunterwerfenden Theokratie. Die Politik des “freundlichen Gesichts” ließ zudem besonders in der Zeit nach 2015 islamische Terror-Fundamentalisten als “schutzsuchende Flüchtlinge” nach Europa einsickern. Tausende sogenannter Gefährder kamen seither nach Europa.

Diese extremen Träger ihres Fundamentalismus beschrieb einst der damalige französische Präsident Hollande anläßlich eines verheerenden terroristischen Attentats in der französischen Hauptstadt mit den Worten: “Sie sind eine Aggression gegen unser Land, unsere Werte, unsere Jugend und unseren Lebensstil“2. Das stimmt!

Kann sich der Leser vorstellen, warum ausgerechnet der Kulturkreis aus welchem sich diese Feindschaft rekrutiert, auch derjenige ist, dem sich die Politik der letzten Jahre und Jahrzehnte ihr ganzes Herz gewidmet hat? Kann der Grund sein, daß diese Migrantengruppe wie keine andere so genuin wie dezidiert mit der westlichen säkularen und emanzipatorischen Gesellschaft, also mit Marcuses “ausbeuterischen und repressiven… patriarchalischen Zivilisation” des Westens kollidiert? Der urkommunistische französische Denker Alain Badiou brachte es unlängst mit Worten auf den Punkt, die zugleich seine innige Hoffnung eines dritten Auflebens des Kommunismus ausdrücken. Zitat: “Das Proletariat der Nomaden hat es immer gegeben. Früher kamen sie vom Land und zogen in die Stadt. Heute kommen sie aus Afrika.“3

Doch es ging hier um den Feminismus, und zu ihm kehren wir jetzt zurück:

Die Auswirkungen nämlich der Aversion dieser Immigranten auch gegen die “starke emanzipierte Frau” des Westens, werden häufig thematisiert - soweit es zumindest die politische Korrektheit zuläßt. Zum einen wird um die Reglementierung des weiblichen Betragens in der Kultur der Eingewanderten diskutiert, also Erscheinungsvorschriften wie Kopftuch, Verschleierung, ebenso die Geschlechtertrennung in muslimischen Zusammenkünften, die Zwangsheirat oder die Dienstbarkeit der Frau in der Ehe – auch das Recht des muslimischen Mannes auf mehrere Ehefrauen gehört dazu. Ferner ist Teil dieser Thematik die ablehnende Haltung muslimischer Schulpflichtiger und ihrer Eltern gegenüber Teilen des Schulunterrichts wie dem gemeinsamen Schwimmunterricht oder der von feministischer bzw. geschlechterpolitischer Seite initiierten Gender- und Sexualaufklärung4. Des weiteren sind die kriminellen Angriffe gegen Frauen in Fällen von Gewalt und Vergewaltigung oder Ehren- und Beziehungsmorden, oft einer befremdlich brutalen Art, ein breiteres Diskussionsthema (von der sonstigen Straftatendichte desselben Kulturkreises abgesehen).

Wir stehen also im Phänomen, wo eine von den Linken hochersehnte und unter dem Label “Multikulturelle Vielfalt” herbeigeführte Bevölkerungsstruktur, welche, gepaart mit dem Feminismus einen subversiven Komplex gegen die westliche Gesellschaftsordnung bilden sollte, nun die innewohnende Brüchigkeit dieses Konzepts preisgeben muß, seine Unvereinbarkeit mit dem hochgehaltenen Ziel der Befreiung der Frau von der männlichen Dominanz oder was im Westen als solche angesehen wurde.

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