Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Die benachteiligte Revolution - Der Feminismus im Marxismus

11. 05. 2020 | Allgemein

Nützlichkeit als Konvention (Utilitarismus)

Ich betonte eben das Wort “muß”. Warum müssen linke Gesellschaftsmodelle früher oder später Bruch und Insolvenz erleiden? Der Grund ist, daß linke Ideologen die von ihnen ausgehenden Kolportagen und Bewegungen nicht aufgrund dieser selbst initiieren und aktivieren. Nicht also, weil diese Bestrebungen einer eigenen Zweckmäßigkeit oder eines ihnen innewohnenden Wertes wegen angefacht werden, sondern weil und nur insofern diese dem Ziele des letztendlich angestrebten gesellschaftlichen Umsturzes dienen. Das notorische Moralisieren ihrer Anliegen dient diesen Ideologen lediglich der Rechtfertigung dieser und der Verblendung jener, die sich dann leichtgläubig als Mitläufer hergeben. “Wenn linke Atheisten christliche Werte anmahnen”, heißt es nicht umsonst an anderer Stelle, “muß kein Schelm sein, wer Böses dabei denkt.”

Und der Entwurf ist dabei stets gleich: Es wird eine “benachteiligte” Gruppe als revolutionärer Gegenstand bzw. Anlaß ausgemacht (etwa der Nachwuchs bildungsferner Familien an Schulen, morgenländische Desperados mit “Schutzsuchenden”-Status auf Flüchtlingsrouten, aber auch arbeitende Mütter, Frauen im Fußball oder in Teilzeitjobs usw). Oder es werden allgemeine dramatisierte Zustände (Ozonloch, Waldsterben, Erderwärmung, Stickoxide) herangezogen. Dann werden - übrigens immer die gleichen - “Schuldigen” ausgemacht: Männer, Industrien, Kolonialvergangenheiten; das macht dann zusammen = Alter weißer Mann. Damit ist schonmal eine Spaltung der Bevölkerung geglückt, und zwar eine solche, bei welcher die Gesellschaft ausgerechnet gegen die Schöpfer ihres Wohlstands aufgehetzt wird! Doch das ist nur der erste, nach Marcuse “immanente” Teil der Umwälzung, die halbe Miete.

Es folgen die Maßnahmen, die da gerne heißen “Gleichstellung”, “Förderung” oder gar “Rettung”, beflaggt mit “Toleranz”, “Humanität”, “Weltoffenheit” usw. Betrachtet man nun deren langfriestigere Wirkung, so stellt man ausnahmslos fest, daß sie der Schwächung oder gar Beschädigung eines jeweiligen gesellschaftlichen Segments dient! Diese Wirkungen je nach Gebiet zu explizieren, würde sicherlich einen gesonderten Artikel füllen; es dürfte deswegen hier genügen, stichwortartige Bezüge herzustellen, die solche Gutmenschenziele wie etwa Inklusion, Offene Grenzen oder Klimarettung gleich mit ihrem problematischen Verhältnis zu den jeweiligen Gebieten Bildung, soziale Ordnung und innere Sicherheit oder Industrie assoziieren; zu wichtigen Säulen also des gesellschaftlichen Gefüges jenes verhaßten alten weißen Gottseibeiuns.

Nur gelegentlich rutschen Verlautbarungen heraus, die das wahre Ziel hinter der falschen Moral verraten: Etwa wenn ein bekannter linker Politologe, Publizist und Professor in den abendlichen “Tagesthemen” die ausufernde Migrationspolitik der letzten Jahre als das beschreibt, was sie ist, nämlich ein ungewisses und “historisch einzigartiges Experiment … eine monoethnische und monokulturelle Demokratie in eine multiethnische zu verwandeln.“5 Oder wenn ein ebenfalls linker Politiker den Vorstoß der Regierung, Kindertagesstätten auszubauen, als eine Politik deklariert, die in ihrer wahren Intention nicht etwa Eltern unter die Arme greifen, sondern “die Lufthoheit über den Kinderbetten erobern“6 will. Oder eben wenn Prof. Marcuse klipp und klar doziert, daß eigentlich der Umsturz “der ausbeuterischen und repressiven Werte der patriarchalischen Zivilisation” das höhere, “transzendierende” Ziel des Feminismus ist!

Dadurch nun, daß man so diverse Mittel und Maßnahmen zum selben Ziel (Aufhebung der kulturell-gesellschaftlichen Kontinuität der westlichen Zivilisation) einsetzt, und diese nur hinsichtlich ihrer Tauglichkeit diesem Ziel gegenüber ermißt, entfällt jede Fokussierung auf die Verträglichkeit und Kompatibilität dieser Maßnahmen untereinander. Das nun erzeugt jene Inkonsistenz in den linksideologischen Entwürfen, die am Ende das eigene Debakel herbeiführt, ja, herbeiführen muß.

Die innere Brüchigkeit eines solchen Sammelsuriums greift heute den westlichen Feminismus schwer an. Zwar nicht den behördlichen - versteht sich. Dieser wird sogar rabiater denn je eingesetzt: Frauenquotierung wohin das Auge reicht, weibliche Namen für Straßen und öffentlichen Stätten, Paritätsgebote für Parlamente und Kommissionen... Ähnlich wie die Kirchen heute nahezu ausschließlich auf das karitative Element setzen, weil sie spirituell erloschen sind, so setzt auch der Politfeminismus exzessiv auf die administrative Aufstockung weiblicher Präsenz, weil er in Symbiose mit dem Multikulturalismus sein hehres Versprechen an die Frauen, männergleich leben zu dürfen und zu können, bei der neuen Bevölkerungsstruktur begraben muß.

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So hat sich die Frauenbewegung in zwei Lager gespalten. Ironischerweise dürfen wir zur Charakterisierung dieser Lager die uns nun geläufigen Begriffe Marcuses gebrauchen: Der “transzendierende” Feminismus, jener also, der sich die Zerschlagung des “kapitalistischen Systems” als oberstes Ziel setzt, verletzt den “immanenten” Feminismus, also jenen, dessen Motiv die Ermächtigung - mittlerweile Privilegierung -  der Frau und ihr Schutz vor dem Mann war und ist.

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