Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Vielfalt und Auflösung

21. 05. 2017 | Allgemein

Denn, wie soll das Grundverhältnis dieser Symbiose von der anderen Seite, von der Seite der fundamentalen Unmündigkeit und ritueller Unterwürfigkeit, aussehen? Diese so vordergründige Frage scheint sich dem Gutmenschentum bald zwei Generationen lang verbogen gehalten zu haben. Jedenfalls blieb sie unwirksam. Den sich in ihrer pappigen Moralität gern wälzenden Soziallogistikern scheint Intuition nicht nur etymologisch ein Fremdwort zu sein. Mit einer geringen Dosis davon nämlich hätte man schon im voraus erwägen können, welche Nachbarschaft der Befindlichkeiten in den einst angesteuerten Multikultiparadiesen entstehen müßte:

Von den in den Westen eingewanderten mündigkeitsscheuen Neubürgern würde sicher ein Teil die westlichen Freiheiten annehmen, praktizieren und genießen. Angesichts aber der leicht zu erbringenden Feststellung, daß selbst im “freien Westen” der Großteil der Bevölkerung staatliche Betreuung und Bevormundung bejaht (sonst hätten wir längst überall libertäre Systeme und sicher auch kein Staatsfernsehen), wäre davon auszugehen, daß ein noch erheblicherer Teil der Immigrierten seinen Traditionen und der durch sie perpetuierten Unfreiheiten treu bleiben und den Westen als kulturelle Provokation empfinden würde.

Und auch innerhalb der mehr oder weniger Anpassungsfähigen wäre bei Verstand mit leisem Unbehagen zu rechnen, welches aus dem stets gegenwärtigen Vergleich der eigenen Herkunftskultur mit der im Westen vorgefunden freieren Zivilisation resultieren müßte; ein Unbehagen in Form jener Kränkung, die bei manchen entsteht, wenn sie das Eigene herabgesetzt sehen, und die durchaus in Aggression gegen die vorzüglichere Alternative umschlagen kann. Solche Aggression wäre gegen die Freiheit gerichtet, und es gibt kaum eine bessere Art, sich an der Freiheit zu rächen, als sie zu mißbrauchen, um sie so zu diskreditieren. Zumal dort, wo die Justiz als Instrumentarium “der Notwehr und der Rache” abgedankt hat.

Daß ein Sozialist also in Schweden der 60er Jahre ein so folgenreiches politisches Konzept mit der Behauptung begründete, die Andersartigkeit der nach Schweden Eingewanderten hätte keine menschlich-gesellschaftliche Bedeutung, gehört zu den epochalen Täuschungen des Werte und Verstand nivellierenden Utopismus im Denken derjenigen, die mit eschatologischem Eifer das verhaßte Eigene, die westliche Zivilisation und Vergangenheit unterminieren. Oder will es ein Zufall, daß diejenigen, die sich Multikulturalisten nennen, dieselben sind, die gerne auch “Deutschland verrecke” skandieren? - Keine Chance somit, den eigenen Widerspruch zu reflektieren, den sie dort herstellen, wo sie im selben Moment, in dem sie nach Vielfalt trommeln, auch die Integration beschwören, also die Vereinheitlichung, die Wiederaufhebung der Vielfalt…

Diese war es auch nicht, was dem Westen einst die Freiheit in Sicherheit ermöglichte, sondern jene integrale Homogenität tat dies, die selbst den Kriminellen - den autochthonen Kriminellen - umfaßte, weswegen ihn der zitierte schwedische Staatsanwalt in den Worten beschrieb, “einer von uns, einer der unsere Standards teilt”. Diese Homogenität konsolidiert und befriedet eine Gesellschaft; linke Experimente dagegen sind immer mit der Gefahr und ja, mit der Absicht der Auflösung des Autochthonen verbunden. Denn das Autochthone, das Gestandene, das “Bürgerliche”, ist der Erzfeind des Utopischen.

Und so ist sie jetzt da, die Auflösung, die gesellschaftliche Desintegration, deren Schöpfer nun heuchlerisch nach Integration jaulen. Der allmähliche Rückzug der Freiheit, der sich dann zeigt, wenn Volksfeste martialisch abgesichert oder gleich abgesagt und Bilder abgehängt werden, oder wenn Karikaturen blutige Aufstände befürchten lassen müssen, bestätigt freilich auch jene nietzscheanische zurückbildende Wirkung des Verbrechens, von der hier anfangs die Rede war. Und ist es nicht ebenfalls eine kulturelle Zurückbildung, wenn Fahrkartenkontrolleure im einst sicheren Land jetzt mit Schlagstock und Pfefferspray bei ihren Kontrollen “unterstützt” werden müssen? Wenn der Inhalt von Geld- und Fahrscheinautomaten in sportlicher Häufigkeit per Sprengsatz entwendet wird; wenn privat und illegal beschlossene Autorennen in Innenstädten das Leben unbeteiligter opfern, oder (und dies ist gewiß kein Verbrechen, jedoch ein flagrantes Indiz von Mentalitätsferne) Hochzeitsfeiern auf Autoschnellstraßen diese lahmlegen und den nachfolgenden Verkehr in seltsamer Selbstverständlichkeit ignorieren? Wäre ein solches Maß der Anomie denkbar auch in der vom einstigen schwedischen Ministerpräsidenten Erlander favorisierten gesellschaftlichen Homogenität?

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