An das ZDF - Warum ich keinen Rundfunkbeitrag zahle

Offener Brief

Teures ZDF-Team,

bei der diesjährigen Verleihung Ihres XY-Preises im vergangenen Oktober hatten Sie auch eine junge Dame namens Saskia Jürgens "für ihr mutiges und vorbildliches Handeln" ausgezeichnet. Dieses bestand darin, das Leben zweier junger Männer zu retten, die "von zehn offensichtlich aggressiven Jugendlichen", welche "mit Elektroschockern und Messern bewaffnet" waren, angegriffen und offenbar massakriert werden sollten.

Aber halt! Sagten wir nicht eben "mit… Messern"? Diese Gebrauchsgegenstände nämlich (sofern mit ihnen nicht in der Küche, sondern im öffentlichen Raum gehandhabt wird) assoziieren heute auch die nur mäßig Informierten mit einem bestimmten Kulturkreis, und dies wohl zu Recht. Alice Weidel von der AfD hatte im August während einer Wahlkampfrede zum Thema Innere Sicherheit und live vor ihrem Publikum nach den Begriffen "Mann" und "Messer" im Smartphone gegoogelt und die Suchergebnisse von nur einer Woche kurz überflogen; der Ruf "Allahu Akbar" fehlte dabei natürlich nicht. Womit jetzt der Kulturkreis identifiziert ist, den ich eben meinte.

In seinen Betrachtungen zu diesem Phänomen anläßlich der Ermordung eines 30jährigen psychologischen Beraters durch einen 27jährigen Syrer, der ersteren in einem Therapiezentrum für Flüchtlinge in Saarbrücken niedergestochen hatte, resümiert der bekannte Kolumnist und Publizist Henryk Broder in seiner üblichen gesalzenen Art: "Wir erleben derzeit das Aufblühen einer neuen Messerkultur… Wir haben uns in einer sehr kurzen Zeit an die Messerattacken gewöhnt, so wie an die täglichen Staus am Kamener Kreuz." Nachfolgend begründet er seine Aussage mit Zahlen: "Und was sagt der ausgewertete Polizeibericht? Es gab über 1.600 Messerattacken in den ersten fünf Monaten des Jahres 2017. Das sind 300 jeden Monat oder zehn jeden Tag. Und jetzt warten wir ab, bis einer kommt und ausrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einer Messerattacke tödlich verletzt zu werden, viel geringer ist als die, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen."1

Alles Bisherige, liebes ZDF-Team, nur um zu verdeutlichen, daß Messerattacken spätestens seit der Ermordung des niederländischen Filmregisseurs und Satirikers Theo van Gogh im Jahr 2004, wie auch das feige sich Zusammenrotten von Klan- oder Familienmitgliedern mittels telefonischer Benachrichtigung, um eine Überlegenheit der eigenen Stärke bei Racheakten herzustellen (oft übrigens sogar gegen selbst die Polizei), milieutypische Verhaltensweisen sind, und das einschlägige Milieu ist Ihren Zuschauern wohl und längst bekannt. Es handelt sich um Angehörige jenes Allahu-Akbar-Kulturkreises, von welchem vorhin die Rede war. So dürfte jeder, der die Zeitungsberichte2 über das Verbrechen gelesen hatte, das Ihre diesjährige Preisträgerin gerade noch rechtzeitig entschärfen konnte, mit Routine vernommen haben, daß die Täter Marokkaner waren, im Polizeijargon: Nafris, eine Abkürzung für muslimische Intensivtäter aus Nordafrika.

Sie aber dokumentieren den Fall auf Ihrer Netzseite mit einer Inszenierung, die deutlich mitteleuropäische, also deutsche Täter suggeriert, Sie setzen sogar einen Glatzkopf ein, was den Eindruck erweckt, Sie wollten eine falsche Spur in Richtung Rechtsextremismus vortäuschen3.

Auf Anfragen von Zuschauern diesbezüglich antworteten Sie: "Für uns und für viele Zuschauer hat die Auszeichnung mit dem XY-Preis eine besondere Bedeutung. Diese ist rein auf das Handeln der Menschen fokussiert, die andere vor einem Verbrechen bewahrt oder währenddessen eingegriffen haben. Diesen Menschen gilt unsere ganze Aufmerksamkeit. Fragen zu Zeit, Ort, Identität der Opfer und Täter sind hierbei weitgehend irrelevant."4

Erstens: Irrelevantes, liebes Team, beläßt man immer in seiner Authentizität, denn es ist eben irrelevant, unerheblich. Man kann aber schlecht innerhalb einer filmischen Gestaltung und sichtlich zielgerichtet die Authentizität von etwas geradezu verkehren, das man zugleich als irrelevant erklären möchte. Indem Sie bei den Filmarbeiten offensichtlich Wert darauf gelegt hatten, die Herkunft der Täter nicht darzustellen, verliehen Sie ihr Relevanz, da der "Fokus Ihrer Aufmerksamkeit" eindeutig auch darauf gerichtet war.

Denn zweitens: Wäre dieser tatsächlich auf die Hervorhebung des löblichen Mutes Ihrer Preisträgerin gerichtet, hätten Sie nicht übersehen dürfen, daß gerade das Eingreifen Frau Jürgens' in das verbrecherische Treiben einer solchen Gruppe von "Jugendlichen", nämlich einer jener Gruppen, bei deren Erscheinen selbst wackere Männer lieber die Straßenseite wechseln, Gruppen, die gelegentlich auch Staatsorgane verprügeln, und (für den Fall Saskia Jürgens als Frau besonders relevant) deren Frauenverachtung selbst Polizistinnen bei Einsätzen verbal und tätlich zu spüren bekommen, den Mut der jungen Frau auf ein noch höheres Podest stellt. Ja, Sie schmälern geradezu das Verdienst Ihrer Heldin, indem Sie die Herkunft der durch sie vertriebenen Täter verschweigen.

Ihr Handeln und Ihr Auftrag

Ich schätze daher, daß Ihre Motive anderweitig zu suchen sind, und erhellend dabei scheint mir ein Vorfall vom August 2015 zu sein. Damals, in einer Zeit, in der verstärkt Migrantenströme  nach Mitteleuropa gelangten, und nicht alle Teile der hiesigen Bevölkerung bereit waren, eine "Bereicherung" darin zu sehen, entschied Ihre Redaktion, einen geplanten Beitrag der Sendung "Aktenzeichen XY" auszusetzen, weil der in dieser Sendung gesuchte Täter ein Farbiger war, und Sie befürchteten, "Öl ins Feuer" zu "gießen" und eine "schlechte Stimmung" gegen Einwanderer und Flüchtlinge zu "befördern".5

So edel Ihnen das damals vorgekommen sein mag: Es war, oder besser es wäre - denn die öffentliche Rüge hatte Sie am Ende umgestimmt - Verhinderung der Aufklärung einer Straftat und zusätzlich Ausblendung von Tatsachen zum Zwecke der Vereitelung einer freien Meinungsbildung gewesen. Und das ist jenem Auftrag diametral entgegengesetzt, dessen Erfüllung Sie erst zu Ihren Gebühren berechtigt.

Auf meiner noch anhängigen Klage gegen die Erhebung dieser Gebühren beziehe ich mich daher auf diesen Fall und zeige anhand zweier allgemeiner Werte: Würde und Mündigkeit, wie problematisch das Verhältnis Ihrer Entscheidungen zu Ihrem Auftrag, dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV) ist, und warum mir mein demokratisches Gewissen verbietet, Sie mit meinem Beitrag zu unterstützen. In der Klage formulierte ich: "Wenn ich fürs ZDF zu unmündig bin, um zwischen Einzelfall und Gesamtheit zu unterscheiden, und ich in dieser meiner Unmündigkeit von der Anstalt des öffentlichen Rechts beschützt zu werden habe, dann wird mir das Recht, eine freie Meinung - frei natürlich sowohl von Suggestionen als auch von Verheimlichungen - bilden zu dürfen, abgesprochen; der Prozess freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung' (§ 11 Abs. 1 RStV) wird regelrecht außer Kraft gesetzt, und selbstverständlich wird dabei auch meine 'Würde' (§ 3 Abs. 1 RStV) als selbständiges Individuum in Frage gestellt."

Sie sehen, wir betreten sehr sensible Bereiche politischen Versagens. Und politisch ist Ihr Handeln auch im Sinne von parteipolitisch, denn selbstverständlich fördern Sie, wenn Sie systematisch Probleme ausblenden, die mit Migration zusammenhängen, jenes Parteienspektrum der sogenannten Weltoffenheit zu Lasten desjenigen politischen Flügels, der denselben Zustand als Kontrollverlust anprangert. Damit aber der Wähler frei entscheiden kann, auf welcher Seite er stehen möchte, damit also im Land eine demokratische Willensbildung stattfindet, sind Sie lt. RStV aufgefordert, nein: verpflichtet!, dem Wähler, dem Land, alle Informationen zur Migration und zu ihren Folgen verfügbar zu machen. Selbstverständlich auch Informationen über negative Auswirkungen derselben. Sonst handeln Sie nach meiner Auffassung nicht bloß undemokratisch, sondern sogar demokratiefeindlich!

Was nun die Würde betrifft, die Würde nämlich Ihres Zuschauers: Welche "Würde" sprechen Sie ihm zu, wenn  Sie sein selbständiges Denken unter Generalverdacht stellen, unzulänglich für das Erkennen realer Zustände zu sein, und deswegen von Ihnen betreut werden muß, um nicht zu falschen Meinungen zu kommen? Und welches Menschenbild geistert in Ihnen, wenn Sie das Individuum als ein leeres Blatt betrachten, das erst durch Sie mit (dem "richtigen") Inhalt gefüllt werden soll?

Es ist also klar, daß Sie in Ihrer Aufgabe gänzlich versagen, und allein das wäre skandalös genug. Zynisch ist aber darüber hinaus, daß auch Bürger, die Ihr konzipiertes Versagen durchschauen und sich diese Beleidigung ihrer Intelligenz gefallen lassen müssen, gezwungen werden, dies mitzufinanzieren. Auch ist der Hohn schwer zu ertragen, wenn der Zwangsbeitrag für diesen Abbau von Demokratie von seinen Nutznießern, denen er Millionärslöhne und Pensionen einbringt, mit "Demokratieabgabe" betitelt wird.

Ob es wohl Einzelne unter Ihnen gibt, die Schamgefühle darüber empfinden? Es wären Ihre menschlichsten Mitarbeiter.

Mit schönen Grüßen!

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Anmerkungen:

1. http://www.achgut.com/artikel/und_taeglich_geht_ein_messer_auf
2. http://www.ruhrnachrichten.de/Staedte/Bahnhof-Mengede-Schlaegerei-mit-Messern-und-Golfschlaeger-48854.html
3. https://www.zdf.de/gesellschaft/aktenzeichen-xy-ungeloest/sb-material/die-gewinner-des-xy-preises-100.html
4. http://www.pi-news.net/wie-das-zdf-fake-news-ueber-deutsche-rechtfertigt
5. http://www.welt.de/vermischtes/article145466050/Aktenzeichen-XY-zeigt-doch-Beitrag-mit-schwarzem-Taeter.html




Motivation und Konzept dieser Seiten

Im Namen des Menschen

Mit "Geistsein" enthält die Adresse dieser Webseite ein Synonym für das Menschentum. Denn nichts kennzeichnet den Menschen zutreffender, als daß er der Geist in seiner Welt ist.

Auch der Glaube an die Logik ist im letzten Grunde Glaube an sich selbst
- Otto Weininger

Um so bedenklicher müßte einen die Frage stimmen, vor der wohl einmal der junge Komponist und Freund meiner früheren Texte gestanden haben muß, als sein musikalisches Werk den Wettbewerb für einen ausgeschriebenen Zyklus zwar erfolgreich passierte, aber unter der Bedingung, sein Titel müsse ein anderer werden. Der Titel des Werkes war: "Geist". Warum wohl die Ablehnung dieses Begriffs? Gibt es eine "moderne" Scheu vor diesem Wort und gehört diese einem bestimmten Milieu an? Und gäbe es manifeste Charakterzüge, die ein solches Milieu identifizieren ließen?

Ich traf vor vielen Jahren auf ein Plakat, welches das Wort Geist durch ein "sch" anstelle des "s" veralberte. Der weitere textliche Zusammenhang ist mir nicht mehr präsent, das Motiv war jedoch klar. Könnte der Entwurf nicht jenem geistscheuen Milieu zuzuordnen sein, nach dessen Spur wir hier suchen? Doch welche weitere Eingrenzung käme bei dieser Suche als hilfreich in Frage? Fangen wir beim Offensichtlichsten an: Wenn wir - in Bezug auf den Menschen - im Geist als erstes Identität, also Vereinzelung konstatieren, wäre da nicht folgerichtig anzunehmen, daß seine Verächter eher kollektivistischen Impulsen nachgehen müßten? Dem genannten Plakat begegnete ich in Gewerkschaftsräumen.

Wenn ein Kollektiv entsteht, muß das zugrundeliegende Konzept idealerweise von allen einzelnen Mitgliedern akzeptiert sein. Es liegt aber auf der Hand, daß, je mehr Individuen für ein verfaßtes Kollektiv angedacht werden, je totaler also das Konzept angelegt ist, um so größer auch die Möglichkeit eingeschätzt werden muß, daß sich dabei auch Dissidenten befinden oder solche, die nachträglich ausscheren und eigene, für das Konzept unzuträgliche Ansichten entwickeln. Diese Möglichkeit läßt das Mißtrauen globaler Bestrebungen zur individuellen Vereinzelung regulär erscheinen.

Es ist nun längst zur Sichtbarkeit gelangt, daß die Hegemonie über den gegenwärtigen Diskurs fest in der Hand eines Zeitgeistes liegt, der mit dem Gedanken einer grundlegenden Essenz im menschlichen Wesen selbst, die als solche, unabhängig also von politischen oder sozialen Geltungen, Identitätsrelevanz beansprucht, seine Probleme hat. Wir sprechen von der Zeitgeistfacette des Anti-Essentialismus in seiner gesellschaftspolitischen Verwendung. Lesen wir dazu die Definition dieses Begriffs, wie sie uns Google auf Anhieb in die Hände wirft:

"Eine anti-essentialistische Haltung ist ganz allgemein gegen ein Denken gerichtet, das Identitäten als etwas Wesenhaftes und Feststehendes begreift – und nicht als Effekte von Prozess und Performanz, die immer erst innerhalb einer differentiellen Struktur Sinn bekommen."1

Also: Das Individuum A, das sich Georg nennt, und unter diesem Namen sich selbst als Zentrum seiner Gedanken, Erinnerungen, Vorstellungen, Willensprozesse und Befindlichkeiten erlebt, ist ein Effekt, eine Auswirkung. Man würde nun meinen, wenn schon Georg Effekt und Auswirkung ist, dann doch eine jener Gedanken eben, Erinnerungen, Vorstellungen, Willensprozesse und Befindlichkeiten, die Georgs seelisches Spektrum ausmachen. Doch nein: Gedanken, Erinnerungen, Willensprozesse… etc., das sind Aktualisierungen eines seelischen Wesens und somit allemal "wesenhaft". Doch mögen Anti-Essentialisten, wie wir eben lasen, Wesenhaftes nicht. Daher werden Prozeß, Performanz und differentielle Strukturen herbeigerufen, die in ihrer disponierten Ob­s­ku­ri­tät richtige Naturtalente sind, wenn es darum geht, Wesenhaftes zu verflüchtigen.

Doch wenn Identität als subjektiver Bestand zu erfassen ist, dessen Vorkommnis sich im Inneren vergegenwärtigt, dann macht sich jede objektivistische Annäherung desselben, wie sie die obige Definition vornimmt, von selbst verdächtig, andere Ziele anzustreben als das Auffassen der menschlichen Identität. Welche könnten das sein? Betrachten wir einmal die Identitätsbedingungen des Anti-Essentialisten, die da wären Prozeß, Performanz und differentielle Struktur, und stellen sie den unsrigen gegenüber, also den Gedanken, dem Gedächtnis, den Vorstellungen, den Willensprozessen und den Befindlichkeiten oder Empfindungen. Was sehen wir?

Das eine Mal haben wir es mit Abläufen oder Formen zu tun, die unabhängig von inhaltlichen Elementen, als leere Gefäße sozusagen, aufgerufen werden. Im zweiten Fall treten hingegen eben jene seelisch-mentalen Elemente auf, die der Anti-Essentialismus ausläßt, und die durchaus einen "feststehenden" Gehalt aufweisen, und dies auch unabhängig von Prozessen, Performanz und irgendwelchen "differentiellen" oder anders zu nennenden Strukturen. Beachten wir nun, mit welcher Evidenz diese beiden heterogenen Gruppen in das richtige Verhältnis gesetzt werden, sobald wir die anti-essentialistische Definition wie folgend umkehren:

Nicht Prozesse, Performanz und jedwede soziokulturell diskursive Strukturen geben Identitäten einen "Sinn", sondern vielmehr jene erhalten erst dann einen, wenn sie Identitäten referieren, in Bezug nehmen oder bedienen. Der "Sinn" nämlich einer Identität ist unter jeder, auch unter einer ihr völlig fremden gesellschaftlichen, existentiellen - geschweige denn differentiellen - Struktur gänzlich nachvollziehbar. Umgekehrt wäre eine dieser genannten Strukturen überhaupt nicht denkbar, wenn sie sich nicht auf Identitäten bezöge, nicht von diesen geprägt worden wäre, nicht für diese funktionieren würde!

Unserem Verdacht nun folgend, wonach hinter der Relativierung der Identität ein kollektivistisches Interesse zu vermuten wäre, sind wir veranlaßt, nach den Zielen des Anti-Essentialisten zu fragen. Die Antwort wird uns in der Fortsetzung des Zitats aus dem Glossar des Schweizer "Instituts ästhetische Bildung und Vermittlung" gegeben, dessen Beginn wir nur bisher rezensierten. Dort lesen wir des weiteren: "In diesem Sinn ist 'anti-essentialistisch' ein wichtiges und politisches Attribut kritisch-emanzipativer Theorie und Praxis." - Soll heißen, ein wichtiges politisches Instrument zur Typisierung der Gesellschaft nach den Mustern jenes essenz- und geistscheuen Diskurses, dem wir vorhin die Hegemonie über die Gegenwart bescheinigten.

Eingehendere Charakterisierungen dieser Intervention werden freilich häufiges Thema auf diesen Seiten sein. Was wir jedoch bereits im Vorfeld näher gekennzeichnet haben wollen, ist die Sprache, deren sich diese Eingriffe gewöhnlich bedienen.

Genius versus Intellekt

Wir haben diesbezüglich bereits erkannt, daß die von uns kritisierte Identitätsdefinition sich weniger auf Inhalte stützt, die Elemente einer mental-seelischen Natur repräsentieren, als vielmehr auf begleitende, situative oder diskursive Dispositionen, die während der Artikulation von Identität das Handlungsfeld mitbestimmen, und die über alles Innere und Genuine im Individuum gestellt werden. Im ersten Fall hätten wir es mit einer organisch einheitlichen Zusammengehörigkeit zu tun, die als solche das Gemüt des gesunden Menschen ausmacht, im zweiten Fall dagegen mit Fremdelementen, die auch beliebig zusammengeführt werden können, und über deren Wirkung auf die menschliche Präsenz eher spekuliert als konstatiert werden kann.

Genau gegen solche Fremdbestimmung aber setzt sich jener Mensch ein, den wir im Helden verehren; nicht nur im romantisierend-epischen Sinn des Wortes, sondern als psychologischer Prototyp des Menschen, der den "Sinn" seiner Identität selbst (wie könnte es auch anders sein) und unabhängig von jeglichem Arrangement in der Umgebung, also "feststehend", weiß und verkörpert – sei dies Gulliver unter den Riesen oder den Liliputanern, Odysseus auf seinen Fahrten, oder der anatolische Schuhputzer von Elia Kazan, der es im New York der frühen Wolkenkratzer als Immigrant zum Wohlstand bringen will. Es zeichnet sich somit eine Fluchtlinie in der Sprache des Anti-Essentialisten oder Positivisten ab, die weg vom Wesen und hin zum Machwerk in der Umwelt führt. Als zentrale Anweisung für eine solche Verfügung könnte wohl die These Karl Marx' angesehen werden, wonach allein das Sein das Bewußtsein bestimme. Doch lassen wir diese Spur nur nebenbei erwähnt sein.

Wir wollen jedoch hier zu einer fundamentalen Begründung unserer Distanzierung vom Weltverständnis schreiten, das wir bisher kritisch vorführten. Dazu beziehen wir das gemeinsame existentielle Basismedium beider Weltanschauungen ein: der anti-essentialistischen, die wir fortan - der Einfachheit halber - dem Materialismus zuordnen, und unserer Auffassung von einer Priorität des geistig-identitären Prinzips, das wir in den Belangen des Idealismus2 unterwegs zu sehen haben. Ihr gemeinsames Medium ist die Zeit. Denn ob Prozesse oder Gedanken, Performanz oder Willensimpuls, Strukturen der Sprache oder anderer Organisation, seelisches Befinden, Gedächtnisabläufe: das alles findet in der Zeit (in jener - auch vom frühen Heidegger – als zu sehr vernachlässigt beklagten Bedingung der Ontologie) zur Entfaltung und Vergegenwärtigung. Die zuletzt genannten sogar, die Gedächtnisabläufe, stehen in einem besonders anregenden Verhältnis zu der Zeit, wie wir noch sehen werden.

Wo wir Stationen der zeitlichen Entfaltung im Kollektiven analysieren und beurteilen, haben wir es mit Historie oder Geschichtstheorie zu tun, und nicht lange hatte es gedauert, bis sich der Materialismus das Attribut "historischer" hinzulegte. Fragt man ihn aber nach dem Wesen der Zeit oder des Gedächtnisses, in welcher und durch welches sich alle Geschichte abspielt, wird man von ihm bestenfalls mit dem kulanten Belächeln der ihm befremdlichen Frage belohnt.

Otto Weininger, das früh gegangene Genie, dessen Vermächtnis, zusammengestellt in der Kürze seines 23jährigen Lebens mächtig genug gediehen war, um das Geistesleben der Mitwelt zu beseelen, sah im Identitätsfaktor Gedächtnis die "Überwindung der Zeit", denn es hebe "die Geschehnisse, die überall sonst in der Natur Funktionen der Zeit sind, hier im Geiste über die Zeit" hinaus.3 Von diesem Standpunkt aus steuert Weininger einen Syllogismus an, dessen luzide Führung mit der knabenhaften Kühnheit einer selbstüberzeugten Selbstautorisierung auszieht, um das Innere des Seins und des menschlichen Wesens zu durchdringen:

Er macht erst einmal auf einen scheinbaren Widerspruch aufmerksam; nämlich dasselbe Gedächtnis, das die Geschehnisse "vom Einfluß der Zeit befreit", ermöglicht zugleich überhaupt erst die Wahrnehmung derselben: "Sicherlich wird uns… nur durch Erinnerung an Vergangenes zum Bewußtsein gebracht, daß es einen Ablauf der Zeit gibt." Wie kann also dasselbe Gedächtnis, das die Zeit im Bewußtsein konstituiert, sie dort auch aufheben? "Die Schwierigkeit löst sich leicht", meint Weininger, denn gerade ein Wesen, das "mit Gedächtnis ausgestattet ist", stehe "mit seinen Erlebnissen nicht einfach in den Zeitverlauf eingeschaltet", sondern "kann… dem Zeitverlauf gegenübertreten, ihn auffassen, ihn zum Gegenstande der Betrachtung machen."

Zur Frage, welche Ereignisse es sind, für die sich das Gedächtnis einsetzt, um sie dem Strom der Zeit zu entreißen, sagt er: "Man erinnert sich nur an solche Dinge, die für die Person einen, wenn auch oft lange unbewußten, Wert gehabt haben: dieser Wert gibt ihnen die Zeitlosigkeit… Der Wert ist also das Zeitlose; und umgekehrt: ein Ding hat desto mehr Wert, je weniger es Funktion der Zeit ist, je weniger es mit der Zeit sich ändert. In alles auf der Welt strahlt sozusagen nur so viel Wert ein, als es zeitlos ist: nur zeitlose Dinge werden positiv gewertet." In dieser Feststellung wollte Weininger sogar "das erste spezielle Gesetz aller Werttheorie" formuliert wissen.

Und, wie man auch der weiteren Hinterlassenschaft des jungen Denkers entnehmen muß, ist das intelligible menschliche Ich der ultimative Werteträger und, in der Zeitlosigkeit, die ihm sein Wesen durch das Gedächtnis gewährt, der Wert an sich überhaupt. Anschaulich fixiert er diese Zeitlosigkeit in dem Befund, daß alle "diskreten Momente des individuellen Lebens immer das ganze zeitlose Ich" enthalten.

Welche tiefe Wahrnehmung und welche wache innere Reflexion müßte nicht in diesem noch Jugendlichen-Gemüt walten, das sich in der Lage sah, von einem "Gefühl der Identität in allen Lebenslagen" zu schwärmen!4 So spricht ein lebendiges Nachsinnen, das den Denkenden in ein Panorama mitzureißen vermag, welches das Gewahren der menschlichen Individualität von einer überempirischen Warte aus ermöglicht.

Betrachten wir aber nun auch die verblüffende wissenschaftliche Legitimation von Weiningers Anschauung: Die wissenschaftliche Methode, die, in Analogie zu Weiningers Ich, Überzeitliches aufnimmt und behandelt, ist freilich die mathematische. Sie kann es, weil sie, zumal durch den Gebrauch der Null und der damit ermöglichten algebraischen Tradition, rein ideell arbeiten kann, also unabhängig von der Anschauung, auf welche sie jedoch in der Anwendung ihrer derart frei erarbeiteten Ergebnisse Wirksamkeit entfalten kann.

Nicht immer vermag unsere Anschauungs- und Erlebnisfähigkeit mit den Wirklichkeitsvorstellungen Schritt zu halten, die uns die theoretischen Wissenschaften auf solchem Weg vermitteln. Kaum jemand würde wohl behaupten, die Relativitätstheorie zu leben. Ganz gleich aber, wie wir mit dieser Diskrepanz umzugehen pflegen, darf festgehalten werden, daß, wo immer diese Wissenschaftstheorien unsere herkömmliche Wirklichkeit revidierten, taten sie dies, indem sie Größen wie die Zeit, den Raum oder die Materie anpaßten oder korrigierten, niemals jedoch den Beobachter, das erlebende Individuum, das "menschliche intelligible Ich" Weiningers. Letzteres bleibt durchweg der konstante Bezugspunkt, an welchem alle Relativierung gemessen wird. (Auch die moderneren Untersuchungen neuronaler Vorgänge mittels bildgebender Verfahren, die menschliche Willensprozesse außerhalb des Ichs verortet haben wollen, relativieren das Ich nicht wirklich.)

Weininger, dessen Leben zwei Jahre vor Albert Einsteins Formulierung der speziellen Relativitätstheorie endete, war sich dieses Sachverhalts bewußt und trug ihm dadurch Rechnung, daß er die Entsprechung des Ichs innerhalb logisch-mathematischer Operationen in keiner der zahlenmäßigen Größen der Gleichung sah, sondern im Gleichheitszeichen selbst! Denn daß etwas gleich ist mit etwas, das hinzukommt, kann nur eine Instanz bezeugen, die während des Vorgangs dieselbe, ein Selbst geblieben ist. In diesem Sinn erklärt er an anderer Stelle mit Bezug auf Fichtes Verständnis des ersten Satzes der Logik, des Satzes von der Identität (A=A): "Glauben kann man im Grunde nur an sich selbst… Fichte hat erkannt, daß der Satz der Identität, der formal sich mit dem Begriffe der Wahrheit deckt, identisch ist mit dem Satze: ich bin. Also auch der Glaube an die Logik ist im letzten Grunde Glaube an sich selbst."5

Und jetzt – der Leser möge dies entschuldigen – nochmals zum Vergleich das Zitat, mit dem die Geistscheuen das Ich in Nichtigkeit zu versenken versuchen: "Eine anti-essentialistische Haltung ist ganz allgemein gegen ein Denken gerichtet, das Identitäten als etwas Wesenhaftes und Feststehendes begreift – und nicht als Effekte von Prozess und Performanz, die immer erst innerhalb einer differentiellen Struktur Sinn bekommen." Jenes Selbst also, das die Logik konstituiert, die über den Status aller Effekte, Prozesse und Performanz befinden soll, wird hier zu deren Objekt degradiert. Ein Attentat auf das eminent Menschliche! Dagegen dürfte die Kongruenz der Sichtweise Weiningers mit dem mathematisch abstrakten Erleben die Position des jungen Genies, wonach die Kontinuität des Ichs und seiner "Identität in allen Lebenslagen" eine unabdingbare Bedingung der Logik ist, vernichtend auf die kümmerlichen Arrangements des wirren Intellektualismus wirken, der Identität hinter irgendwelche "Prozesse", "Performanz" und andere Namenlosigkeiten verbannt sehen will; Namenlosigkeiten, die, wie wir bereits anmerkten, erst dann im Geschehnis gelten können, wenn ihnen ein Intelligibles Namen und Relevanz verliehen hat. Aber wie sollte man es auch sonst zum Anti-Essentialisten schaffen, außer durch den Verlust der Essenz?

Vom verlorenen Sohn der Philosophie

Die Geschichte der Philosophie durchlief viele Phasen, zeitigte aber bislang einen bahnbrechenden Wendepunkt. Dieser markiert die spätere Neuzeit und beruht auf dem Verhalten des philosophierenden Geistes, des erkennenden Subjekts zu sich selbst. Während nämlich in den vorangegangenen Epochen die Philosophie Logik, Bewußtsein, Identität erkundete, das Was, Woher und auch Wohin des sich selbst erkennenden Subjekts also, und erst aus dieser Erkundung auch ihren praktischen Wert gewann, kam eine Zeit, in der Philosophie eine sogenannte Philosophie der "Praxis" wurde. Das Was und Woher des Subjekts wich dem Wie der Gemeinschaft. Der Gang vom Individuum ins Kollektiv wurde unwiderruflich beschritten. Damit rückten zwar die allgemeingesellschaftlichen praktischen Werte in den Vordergrund, also vorwiegend die ökonomischen und sozialen.

Doch da das Kapital, welchem diese Werte ihre Schöpfung und Konzession verdanken, das zeitlos intelligible schöpferisch-Menschliche, der Geist, nicht mehr Objekt des Subjektes, also seiner selbst war, wurde er zum bloßen Mittel. Als Mittel aber ist der Urgrund des Menschlichen nicht selbst tätig, sondern wird lediglich als Vernunftträger für Externes betätigt. Unter dieser Bedingung ist es jedoch dem sinnenden Individuum nicht mehr möglich, das zeitlos Wesenhafte im Denkprozeß aufrecht zu erhalten. Kaum mehr hat also der zeitgenössische Denker ein Verhältnis zu dieser Instanz entwickeln können; er kann bloß das Instrumentarium anwenden, das sie im Laufe der Kulturgeschichte in der Zeit abgesondert hat: den Intellekt und die ihm adäquaten Anliegen und Tendenzen. Diese sorgten dafür, daß in unserer Zeit an die Stelle des Genius oder des Weisen der "Intellektuelle" gekürt wurde. Und da der Intellekt intelligent ist, weiß er Wege, auch Identität zu substituieren. Es sind Ausbünde dieses Betrügers, die uns heute in die Wüsten von "Prozessen, Performanz und differentiellen Strukturen" schicken, um dort den menschlichen Wesenskern zu verscharren.6

geistsein.de

Das eben wird hier nicht gemacht! Vielmehr sollen diesen virtuellen Ort solche Beiträge füllen, die in jeder Hinsicht - in sprachlicher wie inhaltlicher - auf die geistige Instanz im Menschen hin und gegen den Strom der Zeit gerichtet sind. Das werden sie tun, indem sie alles Faktische aus der Warte des Ideellen betrachten und deuten, und indem sie alle Kulturentwicklung als Vergegenwärtigung des in dieser sukzessiv zum Tragen kommenden Geistigen darstellen.

Das Leitende in diesen Beiträgen wird aber wohl durch die Frage moderiert sein, wie es zu der gegenwärtigen Situation jener – anders kann man es nicht nennen – Selbstleugnung des eminent Menschlichen gerade in den Kulturkreisen kommen konnte, die den lebendigsten Zugang zu ihm errungen hatten. Nach Ansicht des Autoren ist diese Frage kaum bisher in die Verarbeitung gelangt. Es werden zwar häufig gegenseitige Vorhaltungen der verschiedenen gesellschaftlichen Lager verlautet, die der Gegnerseite gern die Schuld jeglichen "Untergangs" zuschieben. So etwa in Bezug auf die aktuelle demographische Frage, die Frage, warum in vielen westlichen Ländern die Anzahl der Geburten sinke, was die Fortdauer der westlichen Kultur gefährde.

Verschiedene Denker wiederum verweisen darauf, daß fortgeschrittene Zivilisationen den eigenen Untergang in sich trügen und bald von zeitgenössischen "Barbaren" übernommen würden, die allerdings danach, befruchtet von der übernommenen Kultur, die nächste Hochkultur stiften würden: das Griechen/Römer-Prinzip nach Franz Borkenau etwa. Allerdings ist geistsein.de - im Einklang übrigens mit dem eben referierten Wissenschaftler - der Überzeugung, daß die kulturelle Entwicklung nicht mehr Zyklen unterliegt; je weiter sie zum menschlichen Kern vorandringt, desto weniger.

Wie komplex dessenungeachtet die Frage nach der "Schuld" jedoch ist, können wir uns anhand der eben angeführten demographischen Frage verdeutlichen. Die eine Seite, die konservative, hält vor, daß die politische Entwertung der Familie ein Grund für diesen Zustand sei, und weist oft auf die christlichen Familienwerte hin. Was aber ist mit dem ebenfalls christlichen Wort: "Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch. Was vom Geist geboren wird, das ist Geist"? Haben wir es nicht auch hier mit einer Deklassierung der biologischen Reproduktion zugunsten eines "höheren" Strebens zu tun? Zu schweigen von der nicht wirklich familienfreundlichen Forderung, Väter, Mütter, Brüder und Schwestern "um meinetwillen" zu verlassen, wie sie vom Begründer des Christentums in diversen Formulierungen überliefert worden ist. Schwebt in diesen Worten nicht hörbar die Zurückdrängung familiärer Prioritäten zwecks eines anderen höheren Wertes? Wo wäre ein solcher Wert zu verorten, wer verfügte über seine Bestimmung, was soll "um meinetwillen" heißen? Ist das eine "konservative" Forderung? Diffiziler wird’s, wenn wir jene weiteren Stellen desselben Verkünders hinzuziehen, in denen Ehe und Familie wiederum durchaus Würdigung zuteil wird.

Junge Radikale in westlichen Gesellschaften, die sich vehement gegen die Kultur ihrer Väter stemmen, über das "Verrecken" ihrer Herkunftsländer frohlocken und in naivem Weltverständnis das "Ende des weißen Mannes" spintisieren (als könne man in anderen Hautfarben den Garant für Weltfrieden, Gerechtigkeit und Toleranz erkennen), berufen sich ebenfalls auf Höheres, Besseres, oftmals sogar Christlicheres, soweit sie sich auf eine religiöse Terminologie überhaupt einlassen. Übrigens hat manche Schule die Wesenhaftigkeit des Ichs abgestritten, der man keineswegs Positivismus ankreiden könnte - etwa der Buddhismus. Diese seltsamen Verwandtschaften belegen eine Vielfalt von Motivationen für scheinbar gleichlautende Thesen. Beim Vorgehen gegen solche reicht daher nicht die pauschale Verurteilung ihrer Träger, sondern ist das Verstehen ihrer jeweiligen Motivation notwendig, und dieses Verstehen wiederum setzt die Bereitschaft voraus, das etwaig Positive in den jeweiligen Motivationen herauszustellen und, ja, anzuerkennen.

Deswegen hier Folgendes noch zur leitenden Frage von weiter oben darüber, wie es zur gegenwärtigen Situation des Grundsatzwiderspruchs im westlichen Denken kommen konnte: Kann der Grund sein, daß durchaus richtige Impulse, nämlich solche, die der westlichen Geistesentwicklung als tragende Faktoren mitgegeben worden sind, während ihrer Ausführung und aufgrund anfallender Komplexitäten ausarten? Diese Annahme, die Annahme eines positiven Kerns in negativen Entwicklungen, der von der Gesellschaft anerkannt wird, welche deswegen den Entwicklungen verfällt, würde auch die oft verwunderliche Popularität erklären, die mancher an sich unliebsamen oder destruktiven politischen Anordnung zuteil wird. Als Beispiele solcher Verkehrung mögen die negativen Folgen der durchaus segensreichen Individuation in einer Gesellschaft gelten, die unter Umständen in Globalegoismus ausartet, oder selbst die der Demokratie, die ja dazu neigt, unpolitische Wählermassen für kleine, ideologisch motivierte Eliten verführbar zu halten.

Unter diesen Aspekten und in diesen Motiven prägende Momente der Denktraditionen zu durchleuchten, ist nicht nur eine dienliche Arbeit beim Angehen wesentlicher Gegenwartsfragen, sondern zudem eine Quelle reinen Vergnügens der – mag dies nun auch elitär klingen - höheren Art, was nicht nur zum Lohn des Autoren gereichen soll, sondern, so hoffe ich, auch zur Freude manchen Lesers dieser Seiten.

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Anmerkungen:

1. https://www.zhdk.ch/forschung/iae/glossar-972/anti-essentialismus-3811

2. Hier ist mit Idealismus nicht das Streben nach einer bestimmten Idee oder nach bestimmten als ideal aufgefaßten Werten gemeint, sondern jener philosophische Idealismus, nach welchem die Idee an sich als intelligibles Sein allem materiellen Sein zugrunde liegt.

3. Otto Weininger, "Geschlecht und Charakter – Eine prinzipielle Untersuchung", Verlag Wilhelm Braumüller, 10. Auflage 1908, S. 167 ff

4. Ebd., S. 188

5. Otto Weininger, "Über die letzten Dinge", Verlag Wilhelm Braumüller, 1904, S. 143

6. Hier haben wir es freilich nicht mit einer Kritik des Intellekts als Erkenntnisinstrument zu tun, sondern mit dem Intellektuellen als Typus, der den empirischen Verstand allein gelten läßt nebst einer Vernunft, die nur auswertet, was dem ideologischen Bau zukommt, den der Intellektuelle bewohnt. Gemeint ist also der ideologisch behaftete Positivist.