Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Birgitta Weber und die Instrumentalisierung

27. 01. 2018 | Ideologie und ihre Sprache

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Doch Angst wollen Sie den Menschen in Kandel nicht gestatten. Haß auch nicht. Erlaubt seien nur “Trauer, Wut” und “Mitleid”. Da haben Sie aber unsere Gefühlswelt schön säuberlich formatiert und dividiert, darf man sagen. Nur: Aus Trauer, Wut und Mitleid, kann wiederum Haß werden, und dies ebenfalls ohne daß die Trauer, die Wut und das Mitleid von “rechten” Kräften hin zum Haß eskortiert werden müßten. Aus Trauer, Wut und aus dem Mitleiden mit Opfern von Gewalt wird schnell Haß, wenn sich die “Einzelfälle”, die solche Gefühle hervorrufen, perpetuieren, sich zum Phänomen häufen. Ob dies zur Zeit geschieht oder unterbunden wird, entscheidet noch – und leider Gottes – am allerwenigsten die AfD, und sie trägt deshalb auch am allerwenigsten die Verantwortung dafür.

Es wird Ihnen sicher nicht entgangen sein, daß kürzlich das Brandenburger Innenministerium einen Aufnahmestopp für die Stadt Cottbus beschlossen hat, nachdem dort innerhalb weniger Tage zwei Messerangriffe gegen Cottbusser Bürger durch Flüchtlinge verübt worden waren2. Ist jetzt dieser Zuzugsstopp Haß? Ich bezweifle das; sollten Sie jedoch auf einer solchen Definition bestehen, dann würde das Vorgehen der Brandenburger Behörde meine Erklärung über die Entstehung solchen “Hasses” bestätigen und nicht ihre Vernebelungstheorie, die AfD hätte ihn dorthin getragen.

 

Wenn nun, werte Frau Weber, Angst und Haß durchaus ohne das Zutun Ihrer Gespenster von rechts und rein aus kriminellen Geschehnissen heraus resultieren können, dann steht der denkende Leser bzw. Zuhörer ihres Textes vor einer Frage, vor der Frage nämlich, welches Motiv Frau Weber bewegt haben könnte, eine externe – nicht in den sich häufenden aggressiven und gar tödlichen Messerangriffen selbst liegende – Ursache für die Entstehung des hier gemeinten Hasses und der hier gemeinten Angst zu konstruieren.

Alsdann könnte die Logik des Fragenden ihm als naheliegend empfehlen: Frau Weber, Angestellte in einer Anstalt, von der belegt ist, daß grünlinkes Personal die diskursive Dominanz innehat, instrumentalisiert den Mordfall von Kandel und seine Folgereaktionen in der Stadt, um daraus eine “Keule” gegen ihre politischen Antipathien zu schmieden.

Diesem Gedanken nun läge der Begriff der Hetze nicht fern, und zwar einer so dezidiert groben Hetze, die nicht einmal davor haltmacht, den Begriff “menschlich” so im Text zu plazieren, daß für die mißliebige Gegenseite Assoziationen wie un-, oder untermenschlich freistünden. Und das könnte als eine wesentlich aggressivere Hetze eingestuft werden, als sich die Menschen, die in Frau Weber ihren politischen Gegner sehen, jemals öffentlich und von offizieller Stelle aus erlaubt hätten. Von der mißbräuchlichen Instrumentalisierung des Sendekanals einer zur Neutralität verpflichteten und finanziell von allen Bürgern getragenen öffentlich-rechtlichen Anstalt ganz zu schweigen.

Wie stünden Sie zu einem solchen Verdacht, Frau Weber?

Weiterhin einen schönen Tag!

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Anmerkungen:

1. Frau Webers Text auf der Seite des SWR
2. welt​.de, “Nach Messerangriffen – Cottbus wird keine weiteren Flüchtlinge aufnehmen

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