Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Gesinnung, Identität und Politische Korrektheit

03. 01. 2017 | Ideologie und ihre Sprache

Noch recht harmlos eigentlich angesichts anderer Korrektheiten, die täglich unseren Verstand rüde beleidigen: Etwa wenn sie die westliche aufklärerische Kultur als das Unglück der Erde darstellen, wenn sie die Integration unkontrolliert Eingewanderter aus Gegenden, in denen Eltern schon mal ihr Kind wegen einer vorehelichen Beziehung lebendig begraben, als Bereicherung des Westens und seine historische Aufgabe definieren, oder wie neuerdings fieberhafte und teure Sicherheitsvorkehrungen vor öffentlichen Massenveranstaltungen aufgrund der Befürchtung migrantischer Kriminalität veranlassen, aber gleichzeitig beteuern, das Land sei super sicher gerade wegen (Achtung: steiles Gefälle!) seiner Offenheit diesen Eingewanderten gegenüber!

Wer die Lüge sät…

Freilich verrät solcher Mißbrauch der Semantik die großen Defizite linker Gesinnungen in der Wahrnehmung und Darstellung des Wesentlichen und Faktischen. Und das ist ein Grund des sicheren Scheiterns ihrer Manifestationen.

Doch mittendrin zeigt sich gerade, daß die durch die politische Falschsprache ausgeleierte Redlichkeit (kommt nicht zufällig von “reden”) Diskursambivalenzen erzeugt, die alle Verlautbarungen derart entkernen, daß nicht einmal mehr eine Umfrage das ist, was sie mal war. Denn ein gelenkter Diskurs, der Meinungen einschüchtert, wird am Ende gewiß auch die Meinungsforschung soweit verfremden, bis niemand mehr weiß, ob der ARD-Kommentator, der zum Erhalt seines guten Jobs die Politik der Kanzlerin vollen Lobes referiert, nicht am Ende die AfD wählen geht. Wer Schutzgelder eintreibt, kann nicht zugleich Vertrauen einfordern, und wer in der Sprache die Lüge installiert, wird bald auch selbst belogen sein.

In diesem Verunsicherungsmodus und eifrig danach, jedes Fettnäpfchen auch zu betreten, das sich die Genossen selbst hingestellt haben, laufen zur Zeit seitens der fragwürdigen politischen “Elite” unter den Anglizismen “Hate Speech” und “Fake News” hektische Versuche, die “richtige” Zensur von den “falschen” zu isolieren. Das heißt, dieselben, die in der verlogenen Politischen Korrektheit einen “Fake Speech” installierten, erdreisten sich, uns von den von ihnen selbst definierten “Fake News” zu “schützen”. Womit sie nicht rechnen, was ihnen aber im gerade begonnenen Wahljahr sauer aufstoßen wird, ist, daß sie sich dadurch dem inhaltlichen Disput ausliefern, vor welchem sie sich bislang durch ihren “Fake Speech”, die Politische Korrektheit, drücken konnten. Wohlan also, Genossen!

Ab 2017: Kampf der Identitäten

Viel klarer beim Verstand und im Konzept dagegen zeigt sich erfreulicherweise die Gegenseite. Sie bleibt konsequent beim eigentlichen Problem, wie dieses weiter oben aufgezeigt wurde: Es findet ein Kampf der Identitäten statt. Oktroyierte Gesinnungsidentitäten gegen natur-, sprich historisch gewachsene. Gemeinsame Geschichte, gemeinsame Kultur und aus ihnen entwickelte Mentalität sind Berührungspunkte, die ein kohärentes Wir, ein solides kollektives So-Sein, das sich daher ein Volk nennen darf, zusammensetzen. Mögen Begriffe wie Heimat und Abendland dem modernistischen politischen Katecheten als verrucht vordefiniert sein, ihre konstituierende Kraft, die gezielt auf dem Gemeinsamen und Homogenen statt auf einer zersplitternden Diversität baut, lebt.

Es lebt und flackert daher immer wieder im Disput auch das eine Wort, um das es geht, und das sich junge Bewegungen wie die Identitären im Namen festgeschrieben haben: Identität. Um diesen Begriff formiert sich der politische Kampf der Gegenwart. Und nicht besser kann man heute die Unterscheidung auslegen, die sich einst in links und rechts aussprach, als eine zwischen ideologisch aufgezwungenen und organisch gewachsenen Identitäten. Und sollte das auch ein wenig nach Kulturchauvinismus anmuten, so entspannt euch, ihr Guten unter der Sonne: Ein gesundes Maß davon sollte sich die Zivilisation angesichts des morbiden Atavismus, der sich gegenwärtig in aller Welt mordend gegen sie stellt, erlauben dürfen.

In diesen Gedanken soll das gerade angetretene Jahr gegrüßt sein. Und eine anständige Neujahrsansprache hatten wir auch schon (siehe Video unten)!

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Anmerkungen:

1. Vera Lengsfeld, “Mauerfall in den USA

 

 

 

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