Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Vielfalt und Auflösung

21. 05. 2017 | Ideologie und ihre Sprache

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Zumal, wie Ahlstrand weiter ausführt, auch der Einbezug der Familie des neuen Kriminellen kaum helfe, da diese zumeist mit dem Lebensgang ihres Sprosses sympathisiert: “Die Familien denken oft, dass der Kriminelle toll sei, dass er gut dazu beitrage Geld zu verdienen. Die bedingungslose Liebe zur Mutter und Respekt gegenüber dem Vater reflektieren oft die totale und blinde Loyalität der Eltern.1

Nach dieser schonungslosen Darstellung des nicht nur in Schweden bestehenden gesellschaftlichen Problems werden wir zur Erhellung seiner Entstehung zwei Begriffe im folgenden Text auflesen, denen eine für Schweden geschichtliche Relevanz zugesprochen werden kann; es sind die beiden besonders hervorgehobenen Begriffe. In diesem Text werden gewisse politische Schritte dargelegt, die in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts von der schwedischen Politik eingeleitet wurden. Wir lesen über den damaligen Ministerpräsidenten Schwedens:

“Tage Erlander, der sozialdemokratische Ministerpräsident des Landes… hatte noch ein recht kühles Verhältnis zu Menschen aus dem Ausland und zur Idee einer vielkulturellen Gesellschaft. So meinte er 1965:

‘Wir Schweden leben ja in einer vom Schicksal so unendlich begünstigteren Situation. Die Bevölkerung unseres Landes ist homogen, dies nicht nur vom Aspekt der Rasse [sic!] her gesehen, sondern auch in vielen anderen Bereichen.’

Doch in jenem Jahr wanderten bereits 50.000 Ausländer in Schweden ein. Für seinen Verkehrsminister Olof Palme, der 1969 sein Nachfolger wurde, war es darum Zeit für einen Kurswechsel. Am ersten Weihnachtsfeiertag 1965 hielt er eine Radioansprache, die… als Auftakt zum ‘Modernen Schweden’ gilt.

Zu Beginn versuchte Palme, den schwedischen Zuhörern die Angst vor Menschen anderer Kultur und Hauptfarbe zu nehmen, deren Andersartigkeit habe ‘nichts mit ihrer menschlichen Qualität zu tun’. Gleichzeitig versicherte der polyglotte Sozialdemokrat, dass sich die Neuankömmlinge an die ‘schwedischen Spielregeln’ zu halten haben…

Hiermit war der Grundstein für eine ideologische Einwanderungspolitik gelegt…“2

Olof Palme wurde 1986 ermordet. Sein Tod ist lt. Wikipedia noch immer Gegenstand polizeilicher Ermittlungen. Zur den Gruppen der Verdächtigen gehörte bisweilen nach der eben genannten Quelle – neben Rechtsextremisten – auch der schwedische Geheimdienst.

Die beiden Begriffe, die wir dem obigen Bericht abgewonnen haben, Homogenität und Andersartigkeit finden sich sinngemäß auch in den Offenlegungen des zuvor angeführten Staatsanwalts Ahlstrand, der ja nichts anderes beklagt, als die “Andersartigkeit” eines neuen Verbrechertums, das durch die Einwanderung heterogener Kulturangehöriger entstanden ist, und welches nicht nur brutaler, also menschenverachtender ist, sondern sich noch dazu den einheimischen Bewältigungsstrategien entzieht.

Demnach müssen wir also die einstmalige Zusicherung des ermordeten Sozialdemokraten Olof Palme, die “Andersartigkeit” der nach Schweden Immigrierten “habe nichts mit ihrer menschlichen Qualität zu tun”, schmerzlich dementieren. Und wir sind zu erkennen genötigt, daß dieses Verfehlen mit der ideologisch motivierten Zerstörung eben jener Homogenität einhergeht, die Olof Palmes Vorgänger mit weisen, aber politisch schon damals aussichtslosen Ermahnungen so sehr würdigte.

Wie aber sollten wir nach alldem den kognitiven und ethischen Bestand jener heutigen Politkorrektler beurteilen, die noch immer und völlig undifferenziert “Vielfalt”, also Anhäufung von Andersartigkeiten, als dogmatische Monstranz vor sich her tragen und, allen Verwüstungen zum Trotz, die sich in Kriminalstatistiken und in den Ghetto-Milieus europäischer Städte zeigen, als gesellschaftliches Heilmittel anraten?

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