Wenn Vielfalt ihr Gesicht zeigt

Wäre das nur Selbstbetrug, was Linke mit Begriffen anstellen, ginge uns das peripher an. Aber deren Aberglaube, Sprache schaffe Wirklichkeit, gefährdet auch uns und die teuer errungenen Einrichtungen unserer weitgehend und noch intakten Gesellschaften, welche, wenn sie auch durchaus nicht bloß durch Sprache geschaffen wurden, durch dieselbe sehr wohl beschädigt werden können.

Zu den ansehnlichsten Widersprüchen der genannten Gruppe gehört auch jener von "Vielfalt" und "Integration". Vielfalt ist im einschlägigen Sprachgebrauch per se etwas Gutes, unbestreitbare "Bereicherung". Allerdings müsse sie, die Bereicherung, erst einmal "integriert" werden, um sich als solche zu erweisen. Wofür wir alle ("Integration ist" ja "keine Einbahnstraße") vielfältige "Integrationsbemühungen" zu entfalten hätten. Doch Integration, was ist das?

"Die Herstellung" bzw. "Wiederherstellung einer Einheit aus Differenziertem", meint DUDEN, also die Wiederherstellung der Einheit aus einer Vielfalt. Merke somit: Integrationsbemühungen bedeuten, daß Vielfalt nur dann verträglich ist, wenn sie einem sie dominierenden einheitlichen, homogenen Prinzip unterstellt wird! Wenn aber Vielfalt wieder vereinheitlicht werden muß, heißt das nicht, daß Einheit und Homogenität der erwünschte Zustand einer Gesellschaftsordnung ist, und nicht die durch welche Umstände auch immer entstandene, von den politisch Einfältigen aufdringlich gebenedeite Vielfalt?

Wie hier schon einmal berichtet, war bereits im Schweden der 1960er Jahre eine Kontroverse zu diesen strittigen Begriffen zwischen dem damaligen sozialdemokratischen Ministerpräsidenten Erlander und seinem Nachfolger Olof Palme entstanden. Erlander sah in der Homogenität des autochthonen Schweden einen großen Vorteil und mißtraute der Idee einer vielkulturellen Gesellschaft. Palme, Erlanders Nachfolger ab 1969 gab nach seinem Amtsantritt in einer Radioansprache, in der er die schwedischen Wähler mit der "Andersartigkeit" der künftigen Immigrationswellen im voraus zu versöhnen suchte und versicherte, die Ankömmlinge würden selbstverständlich die schwedischen Regeln einzuhalten haben, den Auftakt zu seinem "modernen Schweden", wie er die angehende Multiethnisierung des Landes beschönigte. Was daraus geworden ist, wird Lesern dieser Website wohl kaum entgangen sein. Ansonsten könnte nach "schweden migrationsprobleme" gegoogelt werden. Speziell zur dortigen Kriminalität ist mein früherer Beitrag "Vielfalt und Auflösung" relevant, wo auch die obige politische Kontroverse näher beschrieben wird.1

Doch wer die Situation, in der sich das Land heute, ein halbes Jahrhundert nach Palmes Aufbruch zu einem "modernen Schweden", befindet, in einem Satz erfaßt haben will, nehme am besten den Satz der dänischen Politikerin Marie Krarup, die neulich sagte: "Wenn Schweden untergeht und aufhört, schwedisch zu sein und ein arabischer Staat wird, beenden wir die nordische Passunion."2 (Die nordische Passunion ist eine Übereinkunft nordischer Länder zum gegenseitigen Verzicht auf Personenkontrollen an den Grenzen.) So viel also zur Vielfalt und deren Einhaltung der autochthonen Regeln. Und auch zu den Folgen sozialdemokratistischer Staatsmodernisierungen.

Auf andere Weise wiederum hat unlängst ein Staatschef aus ferner liegenden Längen- und Breitengraden den Titelbegriff dieses Artikels ad absurdum geführt. Das Sultanat Brunei auf der Insel Borneo unter der Herrschaft eines ehemals als Playboy gehandelten VIP und heutigen Sultans ermahnte in einem Schreiben vom vergangenen April die EU um mehr Vielfalt ("diversities") und Toleranz gegenüber fremden Werten und Kulturen! Grund der Ermahnung war der Protest einiger freiheitlicher Staaten und der EU gegen im Staat Brunei kürzlich in Kraft getretene Gesetze, welche unter vielen anderen Innovationen auch die Steinigung bei Ehebruch und Homosexualität vorsehen. Krudelitäten, die seit der Herrschaftszeit des "alten weißen Mannes" (der Engländer) im Sultanat eliminiert waren.3

Merkt der Leser was? Klar doch: Er merkt die Labilität, Inkonsistenz und Verweslichkeit der Begriffe, mit denen Linke ihr Bewußtsein zugemüllt haben, und dasjenige der Gesellschaft auch gerne zumüllen würden: "Toleranz", "Vielfalt", die Kolonialsünden des "alten weißen Mannes" als nachhaltige Last auf die betroffenen Länder. All dies kippt um, sobald es nur berührt wird. Eine Vielfalt, die auch Steinigung – von wem auch immer – enthielte, wäre eine unerträgliche Gesellschaftsform, und niemand weiß, wie viele von den entfesselt Eingewanderten der letzten Jahre eine ähnliche Weltanschauung wie die des Sultans Hassanal Bolkiah von Brunei Darussalam mitgebracht haben.

Und was hat auch "Buntheit", dieser saloppere Ausdruck für "Vielfalt"  mit jedweder Gediegenheit zu tun? Ist es nicht eher so, daß intellektuell unerwachsene, nämlich Kinder, bunter malen, der erwachsene Künstler aber sich durch ausgewogen dosierende Nuancierung der Farben kennzeichnet? Und wer will es schon "zu bunt" haben? Ist es nicht ein Armutszeugnis für gestandene Politiker, wenn sie wie vom Kindesgeiste besessen "Buntheit" und "Vielfalt" kolportieren, als würden sie sich an Behämmerte richten?


Vielfalt! (Bild: pixabay)

Frage an krasse Buntisten: Was heißt "Berlin ist bunt"? Ist die Stadt jetzt für die Berliner sicherer, heimischer, liebenswürdiger geworden? Ist die Bevölkerung auf den Straßen solidarischer, der öffentliche Raum adretter und zugänglicher? Das Wohnen schöner und erschwinglicher? Hat sich wärmende Nähe durchgesetzt oder eher Entfremdung, sogar Haß? Wer hatte sich in Berlin nach Buntheit gesehnt, als die Stadt sicherer, heimischer, sauberer war? Wer sehnt sich heute, da die Stadt "bunt" ist, nach Sicherheit, Heimat und Reinlichkeit? Sind das "die Nazis", ihr Idioten?

Aber es gibt ja die Lösung, sie heißt wie schon gesagt "Integrationsbemühungen". Lasset uns also, liebe gute Menschen, seine späte Frömmigkeit den Sultan von Brunei und seinesgleichen mühevoll integrieren, und alles paletti! Oder nicht? - "Vielfalt", warnte neulich ein Vortragender in Berlin, "das bedeutet, daß Weiße klatschen, während Muslime Homosexuelle ermorden und Juden aus dem Land vertreiben." Es war Milos Yannopoulos.4 Ein starker Satz! Ich hätte allerdings "kann auch" hinzugefügt, ich hätte gesagt: "Vielfalt kann auch bedeuten, daß…". Denn durchweg gelungene Vielfalt gibt es sicher auch. Es kommt eben immer darauf an, was sich irgendwo vervielfältigt, weswegen man Einreisende selektieren sollte. Und nein, das ist keine "Abschottung". Wann kapieren es endlich die Einfältigen!

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Anmerkungen:

1. Aus "Vielfalt und Auflösung"
2. Marie Krarup, Dänische Volkspartei
3. Beitrag auf Achgut.com "Liebe Linke..."
4. Die Rede von Milo Yannopoulos