Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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An das ZDF - Warum ich keinen Rundfunkbeitrag zahle

17. 11. 2017 | Intern

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Offener Brief

Teures ZDF-Team,

bei der diesjährigen Verleihung Ihres XY-Preises im vergangenen Oktober hatten Sie auch eine junge Dame namens Saskia Jürgens “für ihr mutiges und vorbildliches Handeln” ausgezeichnet. Dieses bestand darin, das Leben zweier junger Männer zu retten, die “von zehn offensichtlich aggressiven Jugendlichen”, welche “mit Elektroschockern und Messern bewaffnet” waren, angegriffen und offenbar massakriert werden sollten.

Aber halt! Sagten wir nicht eben “mit… Messern”? Diese Gebrauchsgegenstände nämlich (sofern mit ihnen nicht in der Küche, sondern im öffentlichen Raum gehandhabt wird) assoziieren heute auch die nur mäßig Informierten mit einem bestimmten Kulturkreis, und dies wohl zu Recht. Alice Weidel von der AfD hatte im August während einer Wahlkampfrede zum Thema Innere Sicherheit und live vor ihrem Publikum nach den Begriffen “Mann” und “Messer” im Smartphone gegoogelt und die Suchergebnisse von nur einer Woche kurz überflogen; der Ruf “Allahu Akbar” fehlte dabei natürlich nicht. Womit jetzt der Kulturkreis identifiziert ist, den ich eben meinte.

In seinen Betrachtungen zu diesem Phänomen anläßlich der Ermordung eines 30jährigen psychologischen Beraters durch einen 27jährigen Syrer, der ersteren in einem Therapiezentrum für Flüchtlinge in Saarbrücken niedergestochen hatte, resümiert der bekannte Kolumnist und Publizist Henryk Broder in seiner üblichen gesalzenen Art: “Wir erleben derzeit das Aufblühen einer neuen Messerkultur… Wir haben uns in einer sehr kurzen Zeit an die Messerattacken gewöhnt, so wie an die täglichen Staus am Kamener Kreuz.” Nachfolgend begründet er seine Aussage mit Zahlen: “Und was sagt der ausgewertete Polizeibericht? Es gab über 1.600 Messerattacken in den ersten fünf Monaten des Jahres 2017. Das sind 300 jeden Monat oder zehn jeden Tag. Und jetzt warten wir ab, bis einer kommt und ausrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einer Messerattacke tödlich verletzt zu werden, viel geringer ist als die, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen.“1

Alles Bisherige, liebes ZDF-Team, nur um zu verdeutlichen, daß Messerattacken spätestens seit der Ermordung des niederländischen Filmregisseurs und Satirikers Theo van Gogh im Jahr 2004, wie auch das feige sich Zusammenrotten von Klan- oder Familienmitgliedern mittels telefonischer Benachrichtigung, um eine Überlegenheit der eigenen Stärke bei Racheakten herzustellen (oft übrigens sogar gegen selbst die Polizei), milieutypische Verhaltensweisen sind, und das einschlägige Milieu ist Ihren Zuschauern wohl und längst bekannt. Es handelt sich um Angehörige jenes Allahu-Akbar-Kulturkreises, von welchem vorhin die Rede war. So dürfte jeder, der die Zeitungsberichte2 über das Verbrechen gelesen hatte, das Ihre diesjährige Preisträgerin gerade noch rechtzeitig entschärfen konnte, mit Routine vernommen haben, daß die Täter Marokkaner waren, im Polizeijargon: Nafris, eine Abkürzung für muslimische Intensivtäter aus Nordafrika.

Sie aber dokumentieren den Fall auf Ihrer Netzseite mit einer Inszenierung, die deutlich mitteleuropäische, also deutsche Täter suggeriert, Sie setzen sogar einen Glatzkopf ein, was den Eindruck erweckt, Sie wollten eine falsche Spur in Richtung Rechtsextremismus vortäuschen3.

Auf Anfragen von Zuschauern diesbezüglich antworteten Sie: “Für uns und für viele Zuschauer hat die Auszeichnung mit dem XY-Preis eine besondere Bedeutung. Diese ist rein auf das Handeln der Menschen fokussiert, die andere vor einem Verbrechen bewahrt oder währenddessen eingegriffen haben. Diesen Menschen gilt unsere ganze Aufmerksamkeit. Fragen zu Zeit, Ort, Identität der Opfer und Täter sind hierbei weitgehend irrelevant.“4

Erstens: Irrelevantes, liebes Team, beläßt man immer in seiner Authentizität, denn es ist eben irrelevant, unerheblich. Man kann aber schlecht innerhalb einer filmischen Gestaltung und sichtlich zielgerichtet die Authentizität von etwas geradezu verkehren, das man zugleich als irrelevant erklären möchte. Indem Sie bei den Filmarbeiten offensichtlich Wert darauf gelegt hatten, die Herkunft der Täter nicht darzustellen, verliehen Sie ihr Relevanz, da der “Fokus Ihrer Aufmerksamkeit” eindeutig auch darauf gerichtet war.

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