An das ZDF - Warum ich keinen Rundfunkbeitrag zahle

Offener Brief

Teures ZDF-Team,

bei der diesjährigen Verleihung Ihres XY-Preises im vergangenen Oktober hatten Sie auch eine junge Dame namens Saskia Jürgens "für ihr mutiges und vorbildliches Handeln" ausgezeichnet. Dieses bestand darin, das Leben zweier junger Männer zu retten, die "von zehn offensichtlich aggressiven Jugendlichen", welche "mit Elektroschockern und Messern bewaffnet" waren, angegriffen und offenbar massakriert werden sollten.

Aber halt! Sagten wir nicht eben "mit… Messern"? Diese Gebrauchsgegenstände nämlich (sofern mit ihnen nicht in der Küche, sondern im öffentlichen Raum gehandhabt wird) assoziieren heute auch die nur mäßig Informierten mit einem bestimmten Kulturkreis, und dies wohl zu Recht. Alice Weidel von der AfD hatte im August während einer Wahlkampfrede zum Thema Innere Sicherheit und live vor ihrem Publikum nach den Begriffen "Mann" und "Messer" im Smartphone gegoogelt und die Suchergebnisse von nur einer Woche kurz überflogen; der Ruf "Allahu Akbar" fehlte dabei natürlich nicht. Womit jetzt der Kulturkreis identifiziert ist, den ich eben meinte.

In seinen Betrachtungen zu diesem Phänomen anläßlich der Ermordung eines 30jährigen psychologischen Beraters durch einen 27jährigen Syrer, der ersteren in einem Therapiezentrum für Flüchtlinge in Saarbrücken niedergestochen hatte, resümiert der bekannte Kolumnist und Publizist Henryk Broder in seiner üblichen gesalzenen Art: "Wir erleben derzeit das Aufblühen einer neuen Messerkultur… Wir haben uns in einer sehr kurzen Zeit an die Messerattacken gewöhnt, so wie an die täglichen Staus am Kamener Kreuz." Nachfolgend begründet er seine Aussage mit Zahlen: "Und was sagt der ausgewertete Polizeibericht? Es gab über 1.600 Messerattacken in den ersten fünf Monaten des Jahres 2017. Das sind 300 jeden Monat oder zehn jeden Tag. Und jetzt warten wir ab, bis einer kommt und ausrechnet, dass die Wahrscheinlichkeit, bei einer Messerattacke tödlich verletzt zu werden, viel geringer ist als die, bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen."1

Alles Bisherige, liebes ZDF-Team, nur um zu verdeutlichen, daß Messerattacken spätestens seit der Ermordung des niederländischen Filmregisseurs und Satirikers Theo van Gogh im Jahr 2004, wie auch das feige sich Zusammenrotten von Klan- oder Familienmitgliedern mittels telefonischer Benachrichtigung, um eine Überlegenheit der eigenen Stärke bei Racheakten herzustellen (oft übrigens sogar gegen selbst die Polizei), milieutypische Verhaltensweisen sind, und das einschlägige Milieu ist Ihren Zuschauern wohl und längst bekannt. Es handelt sich um Angehörige jenes Allahu-Akbar-Kulturkreises, von welchem vorhin die Rede war. So dürfte jeder, der die Zeitungsberichte2 über das Verbrechen gelesen hatte, das Ihre diesjährige Preisträgerin gerade noch rechtzeitig entschärfen konnte, mit Routine vernommen haben, daß die Täter Marokkaner waren, im Polizeijargon: Nafris, eine Abkürzung für muslimische Intensivtäter aus Nordafrika.

Sie aber dokumentieren den Fall auf Ihrer Netzseite mit einer Inszenierung, die deutlich mitteleuropäische, also deutsche Täter suggeriert, Sie setzen sogar einen Glatzkopf ein, was den Eindruck erweckt, Sie wollten eine falsche Spur in Richtung Rechtsextremismus vortäuschen3.

Auf Anfragen von Zuschauern diesbezüglich antworteten Sie: "Für uns und für viele Zuschauer hat die Auszeichnung mit dem XY-Preis eine besondere Bedeutung. Diese ist rein auf das Handeln der Menschen fokussiert, die andere vor einem Verbrechen bewahrt oder währenddessen eingegriffen haben. Diesen Menschen gilt unsere ganze Aufmerksamkeit. Fragen zu Zeit, Ort, Identität der Opfer und Täter sind hierbei weitgehend irrelevant."4

Erstens: Irrelevantes, liebes Team, beläßt man immer in seiner Authentizität, denn es ist eben irrelevant, unerheblich. Man kann aber schlecht innerhalb einer filmischen Gestaltung und sichtlich zielgerichtet die Authentizität von etwas geradezu verkehren, das man zugleich als irrelevant erklären möchte. Indem Sie bei den Filmarbeiten offensichtlich Wert darauf gelegt hatten, die Herkunft der Täter nicht darzustellen, verliehen Sie ihr Relevanz, da der "Fokus Ihrer Aufmerksamkeit" eindeutig auch darauf gerichtet war.

Denn zweitens: Wäre dieser tatsächlich auf die Hervorhebung des löblichen Mutes Ihrer Preisträgerin gerichtet, hätten Sie nicht übersehen dürfen, daß gerade das Eingreifen Frau Jürgens' in das verbrecherische Treiben einer solchen Gruppe von "Jugendlichen", nämlich einer jener Gruppen, bei deren Erscheinen selbst wackere Männer lieber die Straßenseite wechseln, Gruppen, die gelegentlich auch Staatsorgane verprügeln, und (für den Fall Saskia Jürgens als Frau besonders relevant) deren Frauenverachtung selbst Polizistinnen bei Einsätzen verbal und tätlich zu spüren bekommen, den Mut der jungen Frau auf ein noch höheres Podest stellt. Ja, Sie schmälern geradezu das Verdienst Ihrer Heldin, indem Sie die Herkunft der durch sie vertriebenen Täter verschweigen.

Ihr Handeln und Ihr Auftrag

Ich schätze daher, daß Ihre Motive anderweitig zu suchen sind, und erhellend dabei scheint mir ein Vorfall vom August 2015 zu sein. Damals, in einer Zeit, in der verstärkt Migrantenströme  nach Mitteleuropa gelangten, und nicht alle Teile der hiesigen Bevölkerung bereit waren, eine "Bereicherung" darin zu sehen, entschied Ihre Redaktion, einen geplanten Beitrag der Sendung "Aktenzeichen XY" auszusetzen, weil der in dieser Sendung gesuchte Täter ein Farbiger war, und Sie befürchteten, "Öl ins Feuer" zu "gießen" und eine "schlechte Stimmung" gegen Einwanderer und Flüchtlinge zu "befördern".5

So edel Ihnen das damals vorgekommen sein mag: Es war, oder besser es wäre - denn die öffentliche Rüge hatte Sie am Ende umgestimmt - Verhinderung der Aufklärung einer Straftat und zusätzlich Ausblendung von Tatsachen zum Zwecke der Vereitelung einer freien Meinungsbildung gewesen. Und das ist jenem Auftrag diametral entgegengesetzt, dessen Erfüllung Sie erst zu Ihren Gebühren berechtigt.

Auf meiner noch anhängigen Klage gegen die Erhebung dieser Gebühren beziehe ich mich daher auf diesen Fall und zeige anhand zweier allgemeiner Werte: Würde und Mündigkeit, wie problematisch das Verhältnis Ihrer Entscheidungen zu Ihrem Auftrag, dem Rundfunkstaatsvertrag (RStV) ist, und warum mir mein demokratisches Gewissen verbietet, Sie mit meinem Beitrag zu unterstützen. In der Klage formulierte ich: "Wenn ich fürs ZDF zu unmündig bin, um zwischen Einzelfall und Gesamtheit zu unterscheiden, und ich in dieser meiner Unmündigkeit von der Anstalt des öffentlichen Rechts beschützt zu werden habe, dann wird mir das Recht, eine freie Meinung - frei natürlich sowohl von Suggestionen als auch von Verheimlichungen - bilden zu dürfen, abgesprochen; der Prozess freier individueller und öffentlicher Meinungsbildung' (§ 11 Abs. 1 RStV) wird regelrecht außer Kraft gesetzt, und selbstverständlich wird dabei auch meine 'Würde' (§ 3 Abs. 1 RStV) als selbständiges Individuum in Frage gestellt."

Sie sehen, wir betreten sehr sensible Bereiche politischen Versagens. Und politisch ist Ihr Handeln auch im Sinne von parteipolitisch, denn selbstverständlich fördern Sie, wenn Sie systematisch Probleme ausblenden, die mit Migration zusammenhängen, jenes Parteienspektrum der sogenannten Weltoffenheit zu Lasten desjenigen politischen Flügels, der denselben Zustand als Kontrollverlust anprangert. Damit aber der Wähler frei entscheiden kann, auf welcher Seite er stehen möchte, damit also im Land eine demokratische Willensbildung stattfindet, sind Sie lt. RStV aufgefordert, nein: verpflichtet!, dem Wähler, dem Land, alle Informationen zur Migration und zu ihren Folgen verfügbar zu machen. Selbstverständlich auch Informationen über negative Auswirkungen derselben. Sonst handeln Sie nach meiner Auffassung nicht bloß undemokratisch, sondern sogar demokratiefeindlich!

Was nun die Würde betrifft, die Würde nämlich Ihres Zuschauers: Welche "Würde" sprechen Sie ihm zu, wenn  Sie sein selbständiges Denken unter Generalverdacht stellen, unzulänglich für das Erkennen realer Zustände zu sein, und deswegen von Ihnen betreut werden muß, um nicht zu falschen Meinungen zu kommen? Und welches Menschenbild geistert in Ihnen, wenn Sie das Individuum als ein leeres Blatt betrachten, das erst durch Sie mit (dem "richtigen") Inhalt gefüllt werden soll?

Es ist also klar, daß Sie in Ihrer Aufgabe gänzlich versagen, und allein das wäre skandalös genug. Zynisch ist aber darüber hinaus, daß auch Bürger, die Ihr konzipiertes Versagen durchschauen und sich diese Beleidigung ihrer Intelligenz gefallen lassen müssen, gezwungen werden, dies mitzufinanzieren. Auch ist der Hohn schwer zu ertragen, wenn der Zwangsbeitrag für diesen Abbau von Demokratie von seinen Nutznießern, denen er Millionärslöhne und Pensionen einbringt, mit "Demokratieabgabe" betitelt wird.

Ob es wohl Einzelne unter Ihnen gibt, die Schamgefühle darüber empfinden? Es wären Ihre menschlichsten Mitarbeiter.

Mit schönen Grüßen!

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Anmerkungen:

1. http://www.achgut.com/artikel/und_taeglich_geht_ein_messer_auf
2. http://www.ruhrnachrichten.de/Staedte/Bahnhof-Mengede-Schlaegerei-mit-Messern-und-Golfschlaeger-48854.html
3. https://www.zdf.de/gesellschaft/aktenzeichen-xy-ungeloest/sb-material/die-gewinner-des-xy-preises-100.html
4. http://www.pi-news.net/wie-das-zdf-fake-news-ueber-deutsche-rechtfertigt
5. http://www.welt.de/vermischtes/article145466050/Aktenzeichen-XY-zeigt-doch-Beitrag-mit-schwarzem-Taeter.html