Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Motivation und Konzept dieser Seiten

14. 11. 2014 | Intern

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geistsein.de

Das eben wird hier nicht gemacht! Vielmehr sollen diesen virtuellen Ort solche Beiträge füllen, die in jeder Hinsicht - in sprachlicher wie inhaltlicher - auf die geistige Instanz im Menschen hin und gegen den Strom der Zeit gerichtet sind. Das werden sie tun, indem sie alles Faktische aus der Warte des Ideellen betrachten und deuten, und indem sie alle Kulturentwicklung als Vergegenwärtigung des in dieser sukzessiv zum Tragen kommenden Geistigen darstellen.

Das Leitende in diesen Beiträgen wird aber wohl durch die Frage moderiert sein, wie es zu der gegenwärtigen Situation jener – anders kann man es nicht nennen – Selbstleugnung des eminent Menschlichen gerade in den Kulturkreisen kommen konnte, die den lebendigsten Zugang zu ihm errungen hatten. Nach Ansicht des Autoren ist diese Frage kaum bisher in die Verarbeitung gelangt. Es werden zwar häufig gegenseitige Vorhaltungen der verschiedenen gesellschaftlichen Lager verlautet, die der Gegnerseite gern die Schuld jeglichen “Untergangs” zuschieben. So etwa in Bezug auf die aktuelle demographische Frage, die Frage, warum in vielen westlichen Ländern die Anzahl der Geburten sinke, was die Fortdauer der westlichen Kultur gefährde.

Verschiedene Denker wiederum verweisen darauf, daß fortgeschrittene Zivilisationen den eigenen Untergang in sich trügen und bald von zeitgenössischen “Barbaren” übernommen würden, die allerdings danach, befruchtet von der übernommenen Kultur, die nächste Hochkultur stiften würden: das Griechen/Römer-Prinzip nach Franz Borkenau etwa. Allerdings ist geistsein.de - im Einklang übrigens mit dem eben referierten Wissenschaftler - der Überzeugung, daß die kulturelle Entwicklung nicht mehr Zyklen unterliegt; je weiter sie zum menschlichen Kern vorandringt, desto weniger.

Wie komplex dessenungeachtet die Frage nach der “Schuld” jedoch ist, können wir uns anhand der eben angeführten demographischen Frage verdeutlichen. Die eine Seite, die konservative, hält vor, daß die politische Entwertung der Familie ein Grund für diesen Zustand sei, und weist oft auf die christlichen Familienwerte hin. Was aber ist mit dem ebenfalls christlichen Wort: “Was vom Fleisch geboren wird, das ist Fleisch. Was vom Geist geboren wird, das ist Geist”? Haben wir es nicht auch hier mit einer Deklassierung der biologischen Reproduktion zugunsten eines “höheren” Strebens zu tun? Zu schweigen von der nicht wirklich familienfreundlichen Forderung, Väter, Mütter, Brüder und Schwestern “um meinetwillen” zu verlassen, wie sie vom Begründer des Christentums in diversen Formulierungen überliefert worden ist. Schwebt in diesen Worten nicht hörbar die Zurückdrängung familiärer Prioritäten zwecks eines anderen höheren Wertes? Wo wäre ein solcher Wert zu verorten, wer verfügte über seine Bestimmung, was soll “um meinetwillen” heißen? Ist das eine “konservative” Forderung? Diffiziler wird’s, wenn wir jene weiteren Stellen desselben Verkünders hinzuziehen, in denen Ehe und Familie wiederum durchaus Würdigung zuteil wird.

Junge Radikale in westlichen Gesellschaften, die sich vehement gegen die Kultur ihrer Väter stemmen, über das “Verrecken” ihrer Herkunftsländer frohlocken und in naivem Weltverständnis das “Ende des weißen Mannes” spintisieren (als könne man in anderen Hautfarben den Garant für Weltfrieden, Gerechtigkeit und Toleranz erkennen), berufen sich ebenfalls auf Höheres, Besseres, oftmals sogar Christlicheres, soweit sie sich auf eine religiöse Terminologie überhaupt einlassen. Übrigens hat manche Schule die Wesenhaftigkeit des Ichs abgestritten, der man keineswegs Positivismus ankreiden könnte - etwa der Buddhismus. Diese seltsamen Verwandtschaften belegen eine Vielfalt von Motivationen für scheinbar gleichlautende Thesen. Beim Vorgehen gegen solche reicht daher nicht die pauschale Verurteilung ihrer Träger, sondern ist das Verstehen ihrer jeweiligen Motivation notwendig, und dieses Verstehen wiederum setzt die Bereitschaft voraus, das etwaig Positive in den jeweiligen Motivationen herauszustellen und, ja, anzuerkennen.

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