Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Das Aufgehen der Person in der Kulturgeschichte und S. Freud

14. 11. 2014 | Kulturgeschichte

Subjekt und Ausdruck

Man kehrt in das Haus seiner Väter zurück, findet die Werkstatt nach all dem Verheeren beinahe unberührt, und beginnt darin wieder Gold zu erzeugen. Gold, das ist das Licht der Sonne, das ist das Antlitz der Person…

Ein hermeneutisches Entgegnen auf S. Freuds analytisches Kulturverständnis

So in etwa mutete es wohl an, wenn man heute, nach der Zersplitterung der Philosophie in die Diaspora der vielen Geistes- und Naturdisziplinen, sich wieder einmal den konspirativen Zauber des menschlichen Abenteuers gestatten würde, des Abenteuers, der Kognition und der Vernunft Ideenräume zu verschaffen, die beiden Inhalt und Heimat zugleich sind. Wie reichhaltig sich der Begriff der Person bei solchem Vorhaben erweisen könnte, soll auf den folgenden Seiten ermessen werden.

Wir gehen hier die Person als Erscheinungsplattform eines im Innern waltenden Wesens an, eines selbstbewußten Subjekts, von welchem sie, trotz der Identifikation mit ihm, objektiv erfaßt und sogar gesteuert werden kann, wie uns die Kunst des Schauspiels reichlich demonstriert; ein zarter Widerspruch, der selten in der Geistesgeschichte so beachtet wurde, wie er es wohl verdient hätte.

Denn, müßte solcher Akt der bewußten Reflexion, indem er das Subjekt mit seiner eigenen objektivierten Vergegenwärtigung eint, nicht ein Akt der Vervollständigung und im eminenten Sinn der Ergänzung, der Ganzmachung sein? Und, wenn es so wäre, wäre dann der Grad dieser Vervollständigung nicht ein Indikator für die geistige Reife des Individuums und – korrelativ - seiner kulturellen Umgebung, ihrer tradierten Intentionen, Möglichkeiten und Voraussetzungen? Bei Bejahung schließlich dieser Fragen: Könnten wir Stationen kulturanthropologischen Fortschrittes von der Autonomie abhängig machen, mit der sich Subjekt und Person austauschen und gegenseitig berühren können und dürfen?

Erwägungen in dieser Thematik machen mir stets eine Begegnung auf mittelamerikanischen Reisewegen erinnerlich, die ich mit einer Anzahl schweizerischer Touristen hatte, als ich beim Bewandern mexikanischer Kultstätten mich auf einmal unwillentlich mitten in ihrer Gruppe befand.

Mit ein paar entschuldigenden Worten machte ich mich daran, mich von dort zu entfernen, als deren Führer, nachdem er sich in beiläufiger Mitteilsamkeit nach meiner Herkunft erkundigt hatte, mich mit Nachdruck zu bleiben bat. Ich käme wie gerufen, da zum Zeitpunkt, als ich mich in die Gruppe verirrte, daselbst ein reger Austausch darüber entflammt war, was denn die klassische europäische Kultur, deren Charakteristik ja gewissermaßen mit dem Namen meines Heimatlandes kombiniert ist, zu bieten hätte, das sie besser oder leistungsfähiger als die der alten indianischen Völker machen würde - ob ich dies näher beschreiben könnte.

Trotz des Widerwillens, den ich gewöhnlich empfinde, wenn mir Herkunft und Ethnisches aufgebürdet werden, nahm ich die Aufforderung an, denn sie entsprach zufälligerweise auch bei mir gerade präsenten Gedanken, weswegen meine rasche und wie geplant erfolgte Reaktion selbst mich, mehr aber wohl noch meine vorübergehenden Reisegefährten aus dem Alpenland überraschte.

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