Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Vom Glauben an die Auferstehung

13. 12. 2014 | Transzendenz und Glaube

Epiphanie des Erkennens

Der Glaube ist als transzendente Weltauffassung seinem Wesen nach ein Hergang von Auferstehung, Auferstehung aus den Manifestationen und Trümmern des in der Immanenz haftenden Intellekts. So gesehen ist der christliche Glaube mit der Auferstehung Christi als Kernelement seiner Lehre derjenige Glaube, in dem Wesen und Bekenntnis, Form und Inhalt zusammenfallen.
Diese grandiose Solidität begründet die Einmaligkeit des Christentums unter den Weltreligionen

“Glaube heißt Nicht-wissen.” Die Richtigkeit dieser populären Gleichung wird oft angewandt, um religiösen Glauben abzuwerten. Welcher Sinngehalt stünde aber im erkenntnistheoretischen Kontext dem Nichtwissen zu, nachdem Sokrates selbst diesen Bereich so produktiv beansprucht hat?

Ausgehend von dieser Frage betrachten wir zunächst folgenden Vergleich: Der Umfang, auf den jemand hinweist, der etwas zu wissen oder nicht zu wissen angibt, ist ein geringerer als der Umfang desjenigen, der alles zu wissen oder nichts zu wissen behauptet. Im ersten Fall setzt sich voraus die Konkretisierung des Gegenstands, von dem gewußt oder nicht gewußt wird. Im zweiten Fall erwarten wir die Konkretisierung eines ganzen Gebiets, auf dem alles gewußt oder nichts gewußt wird, sei dieses Gebiet - beispielsweise - die Mathematik oder die Geschichte der italienischen Renaissance.

Doch der letztere Fall verlangt nach einer weiteren Differenzierung: Gleich welches Gebiet sich als das Gebiet festmachen ließe, auf dem sich die umfassenden Kenntnisse einer Person erstrecken, wäre dies ein allgemein erschlossenes Gebiet, nämlich ein objektiver Wissensbereich über welchen die Menschheit verfügt, und von dem auch jede andere Person Wissen erlangen könnte. Ohne die Bezugnahme auf ein bestimmtes Fragment des allgemeinen menschheitlichen Wissens, ohne die Eingrenzung auf ein positiv-wissenschaftlich erfaßtes Gebiet, uferte die Behauptung alles zu wissen, ins Absurde aus.

Gewiß wäre die Behauptung, nichts zu wissen, ebenso inflationär; hinzu käme, daß der Gebietsanspruch des Nichtwissens - bemerkenswerter Weise - größer als der des Wissens ist: Denn die potentielle Hoheit des Nichtwissens erstreckt sich noch über das bereits erfaßte und zugängliche bis hin zu solchem Wissen, das erst in Zukunft aufkeimen wird und gegenwärtig nicht dem allgemeinen Wissenspensum angehört, oder auch zu solchem, das sich im Unbewußten befindet und so nur latent vorhanden ist.

Zu bemerken sei hier noch,  daß die Erstreckung des Nichtwissens auf auch künftiges Wissen ein intimeres Verhältnis zur menschlichen Evolution eingeht als die sich in ihrem Gegenwartsstatus eingrenzende Wissenschaft. Dies Letzte erhellt übrigens die Gründe für jene Assoziation des Unbewußten mit dem Transzendenten und zeigt, warum es schwerlich vorstellbar wäre, daß selbst eine radikal rationalistische Weltauffassung die intuitive Hinwendung zum Mysteriösen und zur Fiktion jemals austilgen könnte.

Sokrates war der Überzeugung, daß sich der Mensch Wissen verschaffen kann, das seine persönliche Entfaltung (im Sinne einer Veredelung) fördert, und daß er dieses Wissen nicht von weither zu holen hätte, sondern durch eine Revision, Umschichtung oder Klärung seiner Überzeugungen erhalten, und durch die daraufhin einsetzende Korrektur seiner kognitiven und moralischen Haltung einsetzen könnte.

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