Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Vom Glauben an die Auferstehung

13. 12. 2014 | Transzendenz und Glaube

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Wohlgemerkt ist hier nicht der moralische Aspekt dieser Konkurrenz gemeint, ob also der Mensch materielle oder geistige Interessen in den Vordergrund seiner Bestrebungen setzen sollte. Sondern es geht um die Existenzgrundlage dessen, was unsere globale Wahrnehmung als Welt und Wirklichkeit liefert. Darum, ob das Sein in letzter Konsequenz als materiell oder als geistig zu gelten hat.

Doch wurde bei der Gegenüberstellung dieser beiden Alternativen selten eine Feinheit beachtet, die von eminenter Bedeutung ist: Während sich nämlich die Materie dadurch konstituierend verhielte, daß sie sich als Stoff anböte, aus welchem etwas besteht, als Bestandteil also, verhält sich der Geist als konstituierendes Prinzip nicht vergleichbar. Dieser böte sich nicht als ein Bestandteil an, aus welchem etwas bestünde, sondern als der Ort, als der Raum, in welchem dieses Etwas existierte. Materiell heißt aus Materie, geistig heißt im Geiste – nicht aus Geist!

Geist wird nicht als gegenständlich begriffen, sondern als räumlich empfunden und zwar als Innenraum. Er ist der Raum des Denkens. Die Verlagerung der Welt in diesen Raum - ihre Verbegrifflichung - bedeutet auch ihre Vergeistigung. Dieses Innere, das sich zunächst aus der äußeren Wahrnehmung - diese transzendierend - ausstattet, bildet damit ein Element, das sich zwar im dreidimensionalen Raum zeitigt, sich aber nicht in ihm erschöpft, sondern über ihn hinaus weist.

Was aber geschieht, wenn ein neues Element zu einer Dimension hinzutritt, das über sie hinaus weist? Wenn die Strecke als erste Dimension, von einer weiteren Strecke durchquert wird, entsteht die Fläche als die zweite Dimension. Das Erweitern wiederum der Fläche durch eine sie durchdringende, hinzugedachte Tangente weist auf den Raum hin als auf das nächste umfassendere Kontinuum oder die nächste Dimension.

Die nun den Raum übersteigende neue Dimension, die so neu wie das abstrahierende Denken als Entwicklungsmotor der menschlichen Geschichte ist, jener “Innenraum”, in dem der Geist wirkt, wurde erst “kürzlich” betreten und wird seither ausgestattet. Das geschieht durch die Inhalte und Vorstellungen der letzten Jahrtausende, die im menschlichen Bewußtsein Fragen des Daseins behandeln, Fragen, die vorher nicht gestellt werden konnten: Wer oder was bin ich, wo komme ich her, wo gehe ich hin – die Fragen der Philosophie eben, der Geistesphilosophie oder der sog. ewigen Philosophie. Nicht der Splitterphilosophien der Gegenwart.

Und das Aufkommen des Bedarfs nach solchen Fragen ist als stünde das Sein selbst im Menschen auf und begänne dort sich selbst begreifen zu wollen. Das tat es deswegen im Menschen, weil eben allein der Mensch Geist entwickelt hatte. Denn erst im Geiste kann sich das Sein selbst erfahren, wie in einer eigens dafür hergerichteten Stätte, die ihm nach äonenlanger Selbstentsagung im Materiellen eröffnet wurde.

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