Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Vom Glauben an die Auferstehung

13. 12. 2014 | Transzendenz und Glaube

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Weltenübergänge, Ein- und Ausgänge sind gewiß sehr existentielle Erfahrungen, siehe Geburt und Tod. Auch im kognitiven Bereich, dort, wo der Mensch eine neue Weltsicht aufnehmen und eine alte aufgeben muß, können solche Übergänge dramatisch ausfallen. Sokrates Behandlungsmethode wurde mit Geburtshilfe gleichgesetzt, womit dem Vorgang bereits Anspruchsvolles anhaftete.

Wie ist es aber, wenn nicht, wie im Fall der sokratischen Dialoge, nur individuelle Ansichten zurecht geordnet werden, damit ein menschliches Individuum zum Erreichen der Tugend gerüstet wird, sondern das Wissen um das ganze Weltgebäude als untaugliche Grundlage aufgehoben wird, um sich der Epiphania dessen anzunehmen, was dabei als der wahre Grund allen Seins daherkommt; als jener Logos, in dem und durch den sich alles Existente hypostasierte, und der jetzt aus der Verschüttung in der Unterwelt des Materiellen wieder emportaucht?

Es ist Auferstehung! Auferstehung als grundsätzlicher und ultimativer Hergang des Glaubens, des Glaubens schlechthin.

Die Auferstehung in der Dramaturgie des christlichen Glaubens

Wir sind damit allerdings zu einem abstrakten Auferstehungsbegriff gelangt, der das Wiedererstehen des Geistes in der Welt, im Reich der Materie und der Zeit bedeutet. Er sieht nicht auf Anhieb als adäquat zu dem Auferstehungsbegriff der christlichen Überlieferung aus, der sich auf die konkrete Auferstehung des Menschen Jesus von den Toten bezieht.

Viel mehr scheint unser Begriff mit den Auferstehungen verstorbener Götter übereinzustimmen, die in den Mythologien rund um den Globus defilierten. Diese Götter wurden nach ihrer Wiederbelebung entweder ganz in der Welt der Lebenden integriert, oder sie pendelten fortan zyklisch zwischen Welt und Hades, oder aber sie erhielten neue Aufgabengebiete. Ein Merkmal jedoch, ein Detail, die Art ihres Todes betreffend, kommt in ihren Mythen auffallend häufig vor: sie wurden zerstückelt. Osiris und Dionysos wurden in Körperteile zerlegt und wieder zusammengefügt bzw. aus dem verbliebenen Herzen wieder entstanden. Unzählige Schöpfungsmythen in allen Kontinenten setzen die Zerlegung eines göttlichen Wesens als kosmogonisches Initialereignis voraus: die Welt aus den Stücken des Gottes hervorgegangen!

Könnten diese Bilder nicht erste Mittel eines gerade aufkeimenden Intellekts sein, jenen Wesensunterschied zwischen Geist und Materie auszudrücken, der uns weiter oben in der Feststellung begegnete, Materie (die Welt) böte Bestandteile, der Geist (Gott) dagegen erlebe sich stets als Ganzes? Wenn dem so wäre, dann stünde in diesen Mythen der Todeszustand in der Zerstückelung für das Sein in der Welt der Materie und der Zeit. Unsere Welt als das Totenreich des Geistes, die Materie als zerstückelter oder abgelebter, aus seiner Dimension oder aus seinem existentiellen Modus  entrückter, abgefallener oder herabgestiegener Geist und der Mensch mit seinem Gehirn als gefallener Gott!

In der christlichen Dramaturgie findet indessen nur die Teilung eines Brotlaibes statt. Der Gott bleibt ganz und geht auch ganz durch den Tod. Selbst als die Soldaten, die den Kreuzigungshügel bewachten, den beiden mitgekreuzigten Delinquenten die Schenkel zertrümmerten, um ihren Tod frühzeitig vor dem anbrechenden jüdischen Tag des Passah-Festes herbeizuführen, verschonten sie den gekreuzigten Gott vor diesem Akt. Eine alte Prophezeiung hatte dies vorausersehen.

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