Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Die Übernächstenliebe oder die Kirchen in der Verwesung

18. 01. 2016 | Zeitgeschehen

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Diese selbstverständlichen Differenzierungen hätten die von der Nächstenliebe schwadronierenden Pfaffen durchaus treffen können, wäre ihnen der Sinn für eine wahrhaftige Auslegung der Originaltexte nicht abhanden gekommen. Denn sie hätten darin gelesen, daß Nächstenliebe selbstverständlich auch Kritik an dem Nächsten einschließt, auch rechte Bezichtigung und sogar rabiate Ablehnung des “Nächsten”, wo dieser irrt, Wichtiges vernachlässigt, oder betrügt. In der Parabel etwa des untreuen Knechten haben wir es weiß Gott nicht mit einer antikapitalistischen Deklaration zu tun, sondern mit dem Bild eines vermögenden Herrn, der seine beiden Knechte gemäß ihrer Treue bzw. Untreue ihm gegenüber konsequent unterschiedlich behandelt; sogar von “vielen Schlägen” ist die Rede, mit denen der untreue Knecht “geschlagen” werden wird! - Also aufpassen, ihr Popen…

Wer also wahrhaftig liest, versteht die Forderung, seinen Nächsten zu lieben, als eine solche, die nicht kopflos in die Luft posaunt wird, sondern stets an eine private Innerlichkeit gerichtet ist, an das persönliche Bewußtsein eines Subjekts, das in andächtiger Achtsamkeit seinen jeweils Nächsten als solchen bewußt wahrnimmt, anerkennt und behandelt. Wer dieser Nächste ist, hängt in jeder Situation von beiden Subjekten ab, vom wahrnehmenden und vom wahrgenommenen. Das ist eine Forderung an den individualisierten Menschen in ebenso individualisierten Situationen.

Das ist keine Aufforderung an den deutschen Staat, die Nordkoreaner genauso zu “lieben” wie die Deutschen. Auch nicht die Syrer oder die Afrikaner, ihr verwirrten Sakralkommunisten. Auf dergleichen wurde auch eure Herzenskanzlerin nicht vereidigt, sondern ganz allein dem deutschen Volk galt ihr Schwur, seinem Wohl und seinem Schutz vor allen Gefahren, auch vor der einer unkontrollierten Einwanderung! Es ist ferner keine Werbung für das Christentum, ihr geistlichen Pappnasen, ihm eure moralistische Albernheit anzuhängen. Vielmehr nimmt sich eure “Nächstenliebe”, indem sie sich das Wohl und die Lebensordnung eurer eigentlichen Nächsten zu zertrampeln anschickt, wie das zerzauste Plüschtierchen in den Händen eines lebhaften Kleinkindes aus.

Und sie hat uns deutlich gemacht, wir brauchen euch nicht. Mehr als das: Wir wollen euch nicht. Wer immer euer Herr sein soll, unser ist er nicht. Gebt euch weiter der korrekten Kumpanei mit euren politischen Haltern hin, und laßt uns unser Christentum selber begreifen und praktizieren. Die tragisch-komischen Reminiszenzen aus verflossener Zeit, die ihr in euren violetten Roben und Talaren abgibt, braucht kaum ein Individuum mehr für seinen religiösen Bedarf, der am Ende und vor allem auf Geistespflege abzielt. Und davon habt ihr keine Ahnung.

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Anmerkungen:

1.welt.de, SPD-VIZE STEGNER - “In der Flüchtlingskrise 20 Milliarden mobilisieren

2. jungefreiheit.de, Bischof: Deutsche sollen sich Asylbewerbern anpassen

3. welt.de, Das Protokoll zur Kölner Chaos-Nacht zum Nachlesen

4. Joseph Ratzinger, “Einführung in das Christentum”, Kösel-Verlag, München, 1968

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