Die Übernächstenliebe oder die Kirchen in der Verwesung

Wenn Kirchen bei Volkskundgebungen ihre Lichter ausschalten, demonstrieren sie mehr ihre eigene Verdunkelung als sie denken

Die islamischen Gotteskrieger massakrieren Andersgläubige, die christlichen Hirten wollen offenbar möglichst viele von ihnen legal oder illegal ins Land holen, sie rundum betreuen und auf Kosten – nicht nur finanzielle - ihrer Lämmer durchbringen. So etwas gebietet das Christentum, es nennt sich Nächstenliebe, hört man die Geistlichen sagen. Nun sind Asyl und Einwanderung, Staatsgrenzen und deren Schutz oder Öffnung Angelegenheiten des Staates und nicht der Kirchen. Dennoch wird man nach dem Kunstgriff der überhandnehmenden Staatskunst Angela Merkels, das Land allen Beeinträchtigten und Abenteurern dieser Erde zugänglich zu machen, von Kirchenvertretern mit einer durchaus aggressiv zu nennenden Nächstenliebe-Frömmelei gepiesackt, die man nur ertragen könnte, wenn man seinen Verstand beseitigt hätte.

Hat man das aber nicht, wird man nunmehr als Bedenkenträger gegenüber dem Merkelschen Volksmißbrauch eben nicht nur von den üblichen Tatverdächtigen, als da wären die Grünen und Roten aller Blockparteien plus ihre spiritualistische NGO namens EKD, zum Abschuß freigegeben, nein, auch bei den Katholiken scheint mittlerweile die "Kirche von unten" prächtig gediehen und bis zur Spitze ihrer Institution vorgestoßen zu sein.

Dabei stellen sich die Vehemenz und Permanenz, mit denen Politiker wie Kirchenvertreter ihre willkommenskulturellen Affekte ausleben, unter dringenden Verdacht, kaschierte Aversion und Kaltherzigkeit gegen die eigene Bevölkerung zu sein: Während etwa ein SPD-Knilch den Deutschen erklärt, daß sie kein Recht auf ihren errungenen Wohlstand hätten, bevor sie die Feuer in allen Höllen dieser Welt gelöscht haben1, verpredigt sich eine verwirrt wirkende Geistlichkeit mit der Botschaft, daß sie, die Deutschen, auch auf "die Weise, in Frieden zu leben", wohl werden verzichten müssen den Scharen zuliebe, die vom bescheuerten Allparteienbund ins Land gelassen wurden2. Was damit gemeint sein könnte, zeigte sich in der darauffolgenden  Silvesternacht in deutschen Großstädten, siehe etwa den Polizeibericht von Köln3.

Zum Abschluß dieser Zustandsbeschreibung soll folgender Kommentar gereichen: Wird dieses Volk bei den kommenden Wahlen seinen entsetzlichen "Vertretern" nicht die passende Quittung ausstellen, hat es jeden Verrat verdient.

Worum es uns hier hauptsächlich geht, ist der Stand der christlichen Institutionen wie sich dieser anhand der angedeuteten klerikalen Auslassungen zeigte, die während der zuletzt verstrichenen Weihnachts- und Silvesterzeit geballt kundgetan wurden. Und sie belegen: Die Kirchen sind spirituell mausetot. Sie hätten einem vorhandenen geistigen Bedarf nichts mehr zu bieten, sie setzen wohl einen solchen nicht einmal mehr voraus. Alle Botschaft, die die breite Bevölkerung auf offiziellem Weg erreichte, war eine politisiert gutmenschliche und karitativ unterweisende mit deutlicher Intention in Richtung Selbstaufgabe zugunsten einer abrupt sich vermehrenden gestaltlosen Masse von Ankömmlingen aus andersartigen und großteils als anpassungsunfähig erwiesenen Kulturkreisen.

Nicht eine dieser Verlautbarungen während der christlichen Festtage bezog sich auf Inhalte, die irgendeinen anthropologisch-spirituellen Aspekt berühren würden; die Geistlichen boten nur noch tendenziös politisiertes Gesülze. Ja, man möchte meinen, jeder Hobby-Guru aus einem Esoterikseminar wäre ergiebiger im Aufbieten tieferer christlicher Exegese als die Oberhäupter der soziologistischen Einrichtungen namens Kirchen. Und man sieht sich zu der Vermutung berechtigt, daß ihre geoffenbarte Inhaltslosigkeit selbst der Grund ist, warum sie sich mittlerweile fast ausschließlich auf das karitative Standbein verlegt haben, und das mit der Forderung nach einer Selbstlosigkeit, welche, wirklich angewandt, auch alle Kraft erlahmen ließe, die zur Bewältigung der herbeigerufenen Krisen nötig wäre.

Die Böcke im "Weingarten des Herrn"

Joseph Ratzinger sieht den Untergang der antiken Religionen zur Zeit des aufkommenden Christentums im Widerspruch besiegelt, in dem die Philosophie jener Zeit mit der bis dahin überlieferten Religion, dem Mythos, stand: Sie hatte ihn lt. Ratzinger zwar überwunden, wollte ihn aber restaurieren, um seine sittlichen Potentiale zu erhalten, anstatt ihn zu revolutionieren (was am Ende das Christentum tat, indem es ihn in Geschichtliches umwandelte). Dadurch entstand jene Dekadenz, die Ratzinger im Tathergang sieht, "Religion als Sache der Lebensordnung" zu behandeln "und nicht als Sache der Wahrheit"4.

Es stimmt natürlich bedenklich, daß der Vertreter dieser Auffassung als Papst Benedikt XVI eine ganze Zeit an der Spitze seiner Kirche verbrachte, ohne daß seine klaren Ansichten die Wirkung erzielt hätten, seine Institution vor genau demselben Fehler zu bewahren. Und das ließe lebhaft über die Gründe spekulieren, warum er in einem geschichtlichen Sonderakt das Amt zu Lebzeiten niederlegte.

Solche Reduktion des Geistigen zum politisch Lebensordnenden (dem Islam von Anfang an eigen) gepaart mit dem aktuell geforderten gutmenschlich-sentimentalistischen Element läßt die westlichen Kirchen wie ehemals ehrwürdige Lehrstätten erscheinen, wie einstmalige Universitäten, die sich aber im Wandel der Epochen jeden Inhalts entledigt haben und heute nur noch die Mensa "in christlicher Nächstenliebe" verwalten, während sich allmählich Ratten bis zu den Altären vorwagen, Denker dagegen, die anthropologisch-kosmische Aspekte des Christentums abhandeln (z. B. Teilhard de Chardin), eher mit Argwohn aufgenommen werden.

Dabei wird ein formalistischer Gerechtigkeitssinn vernehmbar, der mitten aus dem materialistischen Klassenkampf kommt, und die Welt nach dem dort geltenden Schuldgefälle in Sollenden und Fordernden aufteilt. Die Armen der Welt sind Opfer und berechtigte Forderer, ganz gleich welchen untauglichen Menschenbildern (man denke etwa an die völlige Unterwerfung des Individuums im Islam) oder gar lokal-kulturellen Abscheulichkeiten (wie die bestialischen Massen-Menschenopferungen im alten Amerika) sie in ihrer Geschichte nachgingen; der westliche Wohlstandsmensch dagegen ist ein auf Anhieb Schuldender gegenüber der restlichen Menschheit, ganz gleich, welches kulturelle Streben und welche denkerische Tüchtigkeit die gesellschaftlichen Errungenschaften schufen, die seine Vormachtstellung begünstigten.

Somit befinden sich die "christlichen" Kirchen in einer Dekadenz, die sie Hand in Hand mit den destruktiven politischen Kräften gehen läßt, welche die westliche kulturelle Hegemonie durch das Angreifen ihrer "Lebensordnung" zerstören wollen. Und das rechtfertigt nicht bloß den Begriff Dekadenz. Angesichts nämlich der Tatsache, daß dieselben Kräfte ihren brennendsten Haß erst recht gegen das Christentum entfachen, ist das Zusammengehen der Kirchen mit ihnen geradezu pervers!

Die "Nächstenliebe" der Geistlosen

Es wäre amüsant wenn es nicht tragisch wäre, das (theo)logische Versagen etwas zu durchleuchten, das der Polit-Klerus bei seinem ermüdenden Gebrauch des Terminus der Nächstenliebe an den Tag legt, um ihn als moralische Keule über dem sachlichen Verstand derjenigen zu schwingen, die nicht nur lieben, sondern auch denken können. Es genügt nämlich das differenzierende Anführen eines Plurals, um Holprigkeiten sichtbar zu machen, und die falsche Anwendung des mißdeuteten Wortes bloßzustellen. Denn, wären da zwei Nächste, wovon der Nächste A gerade dabei wäre dem Nächsten B den Schädel einzuschlagen, dann stünden wir notgedrungen vor der Frage, wer von den beiden uns nun am nächsten ist. Sind uns massakrierte Christen und deren barbarischen Mörder, denen wir durchaus die Abkehr von ihrem mörderischen Werk und Glauben wünschten, gleich nahe? - Und so zeigt sich, daß wir es bei der Nächstenliebe durchaus mit mehr und mit weniger Nähe zu tun haben können, womit der ganze Begriff relativiert wird, und das nicht nur situativ, sondern in der kollektiven Dimension auch grundsätzlich. Denn: Wenn die ganze Welt unsere Nächsten sind, dann müssen wir unweigerlich auch unsere Allernächsten definieren und somit differenzieren. Und wer wären die Allernächsten zum Beispiel unter den Mitgliedern eines Volkes, außer diese Mitglieder selbst zueinander?

Diese selbstverständlichen Differenzierungen hätten die von der Nächstenliebe schwadronierenden Pfaffen durchaus treffen können, wäre ihnen der Sinn für eine wahrhaftige Auslegung der Originaltexte nicht abhanden gekommen. Denn sie hätten darin gelesen, daß Nächstenliebe selbstverständlich auch Kritik an dem Nächsten einschließt, auch rechte Bezichtigung und sogar rabiate Ablehnung des "Nächsten", wo dieser irrt, Wichtiges vernachlässigt, oder betrügt. In der Parabel etwa des untreuen Knechten haben wir es weiß Gott nicht mit einer antikapitalistischen Deklaration zu tun, sondern mit dem Bild eines vermögenden Herrn, der seine beiden Knechte gemäß ihrer Treue bzw. Untreue ihm gegenüber konsequent unterschiedlich behandelt; sogar von "vielen Schlägen" ist die Rede, mit denen der untreue Knecht "geschlagen" werden wird! - Also aufpassen, ihr Popen…

Wer also wahrhaftig liest, versteht die Forderung, seinen Nächsten zu lieben, als eine solche, die nicht kopflos in die Luft posaunt wird, sondern stets an eine private Innerlichkeit gerichtet ist, an das persönliche Bewußtsein eines Subjekts, das in andächtiger Achtsamkeit seinen jeweils Nächsten als solchen bewußt wahrnimmt, anerkennt und behandelt. Wer dieser Nächste ist, hängt in jeder Situation von beiden Subjekten ab, vom wahrnehmenden und vom wahrgenommenen. Das ist eine Forderung an den individualisierten Menschen in ebenso individualisierten Situationen.

Das ist keine Aufforderung an den deutschen Staat, die Nordkoreaner genauso zu "lieben" wie die Deutschen. Auch nicht die Syrer oder die Afrikaner, ihr verwirrten Sakralkommunisten. Auf dergleichen wurde auch eure Herzenskanzlerin nicht vereidigt, sondern ganz allein dem deutschen Volk galt ihr Schwur, seinem Wohl und seinem Schutz vor allen Gefahren, auch vor der einer unkontrollierten Einwanderung! Es ist ferner keine Werbung für das Christentum, ihr geistlichen Pappnasen, ihm eure moralistische Albernheit anzuhängen. Vielmehr nimmt sich eure "Nächstenliebe", indem sie sich das Wohl und die Lebensordnung eurer eigentlichen Nächsten zu zertrampeln anschickt, wie das zerzauste Plüschtierchen in den Händen eines lebhaften Kleinkindes aus.

Und sie hat uns deutlich gemacht, wir brauchen euch nicht. Mehr als das: Wir wollen euch nicht. Wer immer euer Herr sein soll, unser ist er nicht. Gebt euch weiter der korrekten Kumpanei mit euren politischen Haltern hin, und laßt uns unser Christentum selber begreifen und praktizieren. Die tragisch-komischen Reminiszenzen aus verflossener Zeit, die ihr in euren violetten Roben und Talaren abgibt, braucht kaum ein Individuum mehr für seinen religiösen Bedarf, der am Ende und vor allem auf Geistespflege abzielt. Und davon habt ihr keine Ahnung.

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Anmerkungen:

1.welt.de, SPD-VIZE STEGNER - "In der Flüchtlingskrise 20 Milliarden mobilisieren"

2. jungefreiheit.de, Bischof: Deutsche sollen sich Asylbewerbern anpassen

3. welt.de, Das Protokoll zur Kölner Chaos-Nacht zum Nachlesen

4. Joseph Ratzinger, "Einführung in das Christentum", Kösel-Verlag, München, 1968