Michail A. Xenos
Frankfurt am Main
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Merkel – Die Rache der Dichter und Denker

25. 10. 2015 | Zeitgeschehen

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3. Europäer hätten jede Chance und Freiheit, sich zu ihrer Religion zu bekennen. Sie (Merkel) vermisse jedoch, “den Mut, zu sagen, daß wir Christen sind… daß wir da in einen Dialog eintreten…” Sie wünsche sich daher von den Europäern, “mal wieder in den Gottesdienst zu gehen oder bißchen bibelfest zu sein und vielleicht auch mal ein Bild in der Kirche erklären zu können.” Da es bei ihnen aber “mit der Kenntnis über das christliche Abendland nicht so weit her” sei, sollten sie sich auch nicht “beklagen, daß Muslime sich im Koran besser auskennen”, das finde sie “irgendwie komisch.”
4. Zum Thema Gewalt sagte sie noch: “Gegen terroristische Gefahren muß man sich wappnen und ansonsten ist die europäische Geschichte so reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen, daß wir sehr vorsichtig sein sollten, uns sofort zu beklagen, wenn woanders was Schlimmes passiert.“3

Bevor wir die inhaltliche Haltbarkeit dieser Statements untersuchen, stellen wir eine durchgehende Veranlagung fest: Merkel behandelt an sie gerichtete kritische Fragen als Angriffe und erstickt sie in Vorwürfen:

1. Als Erstes bezichtigt Merkel die Europäer der entschiedenen Mitschuld an der islamistischen Barbarei, denn sie hätten “eine Vielzahl von Kämpfern beigetragen.”
2. Als Nächstes wird eine populäre Phrase benutzt, um die Träger der Islamisierungsangst zu deklassieren. Sie können “mit Sicherheit die Zukunft nicht meistern”. Nicht also der maßlose Einlaß kulturfremder Kollektive gefährdete die Zukunft Europas, sondern eher die darüber Sorge tragenden europäischen Bürger!
3. Die Europäer ermächtigten außerdem den Islam dadurch, daß sie (man höre hier genauer hin) säkular lebten und sich religiösen Ansprüchen nicht so emsig wie die Moslems nachgingen, während letztere noch in theokratischer Ergebenheit verharren. Nur so läßt sich nämlich das konkretisieren, was das politische Oberhaupt der Bundesrepublik im Punkt 3 meint, soweit es überhaupt reflektiert, was es von sich gibt.
4, Last, not least holt “Mutti” aus dem diskursiven Gerätelager den zu Staub trivialisierten Appell an die eigene historische Schuld: Man solle daran denken, wie “reich an so dramatischen und gruseligen Auseinandersetzungen” die Geschichte Europas sei, und gefälligst die Klappe halten.

Diese flotte Anschlagsserie auf die Verfassung des europäischen Bürgers ist wohl als unbewußte Abwehrreaktion, als Affekt zu verstehen. Das muß aber nicht in jedem Fall den Verstand trüben, vorausgesetzt, dieser ist seines affektiven Gegenparts bewußt genug, um ihn rhetorisch zu relativieren. Nichts dergleichen ist hier zu vernehmen. Mit keinem Wort zeigt Merkel Einfühlung in die Position des anderen. Sie bezieht sich durchweg nur auf das eigene Gegenhalten; sie zeigt sich somit unreif, kleinlich, unsicher.

Entsprechend ist der argumentative Inhalt einzuschätzen, wovon übrigens nur in den Positionen 1 und 3 etwas vorhanden ist. Die Position 2 besteht lediglich aus einer banalen Volksmundfloskel, die ein kompetenter Intellekt niemals zum politischen Prinzip erheben würde, da sich solche “Weisheiten” nur situativ bewähren. (Angst etwa ist nicht per se ein schlechter Ratgeber, sondern war schon immer auch ein fruchtbarer zivilisatorischer Impuls. In der Abwehr von wilden Tieren, von Naturgefahren, Verbrechen, Krankheiten oder Invasionen aggressiver Kollektive leitete Angst die Zivilisation sehr wohl kreativ an.) Die Position 4 bedient sich, die “gruseligen Auseinandersetzungen” in Europas Vergangenheit zum Anlaß nehmend, der üblichen Schuld-Keule, die allerdings, gemessen an den Menschenrechtsverbrechen, welche noch gegenwärtig in muslimischen Ländern unzivilisierter Alltag sind, obsolete Vergangenheit anspricht.

Den so verbleibenden Punkten 1 und 3, können nun Logik und Vernunft folgendermaßen begegnen:

Zu 1: Wenn die Europäische Union gegenwärtig mit einer “Vielzahl von Kämpfern” den Islam-Satanisten im Orient Beistand leistet, dann dies aufgrund einer verfehlten Einwanderungspolitik in der Vergangenheit, für welche Angela Merkel sicher nicht alleinige Schuld trägt. Da sie aber aktuell diese Politik fatal ausweitete (tags darauf erließ sie in völlig autokratischem Irrsinn die absolute Öffnung der deutschen Grenzen für den unkontrollierten Einlaß Zehntausender muslimischer Ankömmlinge, wissend, daß der organisierte Islam-Terrorismus angedroht hatte, unter den sogenannten Flüchtlingen seinesgleichen einzuschleusen), ist es unsererseits nur höflich, ihr Statement nicht weiter zu kommentieren.

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